Das Zwischendunkel der Magie

Feja aus dem Langwald ist auf der Suche nach ihrem Vater, der in der weit entfernten Stadt Braake sein Glück als Seemann versuchen und für seine Familie gutes Geld verdienen wollte. Doch seit über einem Jahr hat sie nichts von ihm gehört – bis auf einen einzelnen Brief, der sie nun nach Braake führt. Dort trifft sie auf Vertreter der Grauen Bruderschaft, ein Magierorden, der den Göttern und Monden des Zwielichts dient. Sie erkennen, dass Feja eine starke magische Begabung in sich trägt und überreden sie dazu, in ihrer Festung Schülerin zu werden. Im Gegenzug dazu würden sie ihr bei der Suche nach ihrem Vater helfen. Doch die Wochen gehen ins Land und Feja hört nichts Neues. In Braake gehen derweil allerlei seltsamen Dinge vor sich: Der Abot (Leitung des Ordens) soll ersetzt werden, der Orden zerreißt innerlich immer mehr, ein Vertreter des Feuerordens wird ermordet, Feja wird von allen Seiten umworben und angeblich steht ein Aufstand der nicht-magischen Bevölkerung bevor …

Die Kritik

Wir bekommen es hier mit einer sehr jungen Romanheldin zu tun, die jedoch durch die Härte des Lebens recht abgeklärt ist und durch gute Selbstreflexion nicht pausenlos zu kindischen Dummheiten neigt. Feja weiß, was ihr wichtig ist. Von Anfang an ist klar, dass sie ein starkes magisches Talent hat – das heißt aber noch lange nicht, dass ihr die Anwendung super leicht fällt oder es keine anderen Herausforderungen gibt. Dieser Konflikt macht das Buch von Anfang an interessant, denn wie langweilig sind Charaktere, denen einfach alles ganz easy von der Hand geht. Dazu kommt, dass ihr magisches Talent – im moralischen Sinne – nicht gerade populär ist und die Nutzung ziemlich eingeschränkt sein muss.

Um die Welt, die Arthur Philipp erschafft, macht er gar nicht viel Aufhebens – man lernt sie Seite für Seite, durch Ereignisse, Kommentare der Charaktere oder sogar durch Sagen kennen, die sich die Personen gegenseitig erzählen. Insgesamt ist es eine mittelalterliche Welt in einer blühenden Hafenstadt mit magischen Orden, die sich verschiedenen Gottheiten/Elementen widmen. Dazu kommen die politischen Verwicklungen zwischen diesen Orden und zwischen den Städten (als weltlicher Aspekt sozusagen), garniert mit der Geschichte der jungen Feja, die den meisten Raum einnimmt. Sehr clever miteinander kombiniert!

Die Erzählung beginnt relativ ruhig und gediegen, was einerseits nützlich ist, denn so kann man sich in aller Ruhe in dieser komplexen und neuen Welt orientieren. Für manchen Leser mag es zu ruhig sein – wer also auf sofortige Action steht, kommt unter Umständen eher schlecht in die Geschichte rein. Während der gesamten Erzählung kommt der Autor immer wieder auf das Ränkeschmieden zurück, sodass sich eine starke logische Komponente herausbildet – wer möchte wem schaden, wieso und schaut es am Ende ganz anders aus? Diese Verwicklungen sind hervorragend eingebunden und schaffen die Gratwanderung zwischen „offensichtlich“ und „Spieltheorie“ optimal.

Fazit: Ruhige Fantasy, die mit einer klugen und ganz normalen Hauptfigur punktet, sogar ganz ohne Romantasy auskommt und für das Alter der Protagonisten mit echt viel Tiefgang und Gedanken zum Leben an sich aufwartet. Echter Lesegenuss ohne viel Tamtam!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Die Dunkelmagierin. Arthur Philipp.
blanvalet. 14,99 Euro.

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