Brigitte Riebe: Die Braut von Assisi – für Historien- und Krimifans

Assisi, 13. Jahrhundert: Warum dürfen die Schwestern des Klosters San Damiano die heiligen Mauern nie verlassen? Und was steckt hinterdem mysteriösen Tod von Schwester Magdalena? Der deutsche Franziskanermönch Leo soll es herausfinden – ihm zur Seite, die junge hübsche Stella.

Assisi, 13. Jahrhundert

Der deutsche Franziskanermönch Leo ist beauftragt worden, zu überprüfen, ob Chiara von Assisi, eine Vertraute von Franziskus von Assisi, für ihren Orden das Armutsprivileg erhalten kann, um das sie schon seit Jahren kämpft. Viel Zeit bleibt ihr für diesen Kampf nicht mehr. Als Leo im Kloster San Damiano ankommt, trauern die Schwestern um eine der ihren. Magdalena ist außerhalb des Klosters auf mysteriöse Weise umgekommen. Und das, wo die Schwestern in strengster Klausur leben und die heiligen Mauern nur in seltenen Fällen verlassen dürfen. Pater Leo spürt sofort, dass mehr dahintersteckt. Seine Neugierde ist geweckt und er beginnt zu ermitteln.

Auf der Suche nach der Wahrheit

Ohne ausreichende Sprachkenntnisse erweist sich dies aber mehr als schwierig. Durch Zufall lernt er Stella kennen, die Ziehtochter eines reichen Kaufmanns. Sie hat von ihrer Amme Deutsch gelernt und ist ihm nur zu gern behilflich. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der Wahrheit, die sie ins tiefste Umbrien führt. Aber je näher sie der Wahrheit kommen, umso mehr Menschen müssen sterben. Welches Geheimnis verbergen die Mönche in den Einsiedeleien des Franziskus? Wird es ihnen gelingen, den Fall aufzuklären?

Die Legende einer Liebe

Brigitte Riebe hat mit ihrem neuen Roman nicht nur eine Hommage für Franziskus von Assisi geschrieben, sondern bringt uns neben etwas Kirchengeschichte auch Land und Leute eines bis heute urigen Landstrichs sehr nahe.

Um Franz von Assisi und Klara von Assisi ranken sich viele Legenden und Mythen. Waren sie wirklich nur Freunde im Glauben oder verband sie mehr? Darauf gibt es bis heute keine zufriedenstellende Antwort. In „Die Braut von Assisi“ nimmt sich Brigitte Riebe der Legende, beide wären ein Liebespaar gewesen, an. Allerdings geht es nicht vordergründig um die mögliche Beziehung von Klara und Franz, dieser Mythos bietet allenfalls die Rahmenhandlung und schimmert ganz leicht hier und da durch die Geschichte.

Der Mönch und die junge Frau

Im Vordergrund steht Leo Suche nach der Wahrheit, die sich hinter Magdalenas Tod verbirgt – immer auf Franziskus‘ Spuren. Auf den Spuren des τ. Wie bei einer Schnitzeljagd folgt er den Spuren, setzt Puzzleteilchen für Puzzleteilchen mühsam zusammen. Sie führen ihn ins heilige Tal von Rieti, wo sich mehrere Einsiedeleien des Heiligen befinden. Die Bewohner des Tals beäugen den fremden Mönch misstrauisch, eine Verständigung ist mangels Sprachkenntnissen schwierig. Um dies aufzuzeigen, werden immer wieder italienische Sätze in die Handlung eingeflochten. (Keine Sorge, auch mit nicht vorhandenen Italienischkenntnissen versteht man sie, und das meiste wird sofort übersetzt.) Auch Stellas Hilfe trägt zusätzlich zum Misstrauen bei: Ein Mönch und eine junge Frau, die gemeinsam unterwegs sind, dies sorgt nicht nur für schräge Blicke, sondern bringt besonders Stella in manch unangenehme Situation. Und auch für Leo birgt das ganze Gefahren: Er ist dem Zölibat verpflichtet, aber immer öfter kann er sich der Gedanken an Stella nicht erwehren. Doch auch sie muss ein Geheimnis lösen: das Rätsel ihrer Herkunft.

Gekonnt eingesetzte Emotionen und glaubwürdige Story

Die Zerrissenheit Protagonisten wird so gekonnt beschrieben, dass man mitleidet, mitbangt, gemeinsam mit den Beiden wütend ist und trotzdem auf ein Happy- End hofft. Neben der äußerst spannenden und bildhaften Darstellung, trägt auch die gekonnt eingesetzte Emotionalität dazu bei, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Der Spannungsbogen wird von der Autorin konstant erhöht, bevor er seinen Höhepunkt in einem fulminanten Ende erreicht.

Die Geschichte bleibt dabei bis zum Schluss glaubwürdig, werden doch Wahrheit und Fiktion sehr geschickt miteinander verwoben. Und so gibt uns die Historikerin Brigitte Riebe nicht nur einen Einblick in die Anfänge des Franziskanerordens, sondern vermittelt auch sehr unterhaltsam ein Stück Kirchengeschichte. Nähere Erläuterungen dazu finden sich im sehr detaillierten Nachwort und auch der Mythos Klara/Franziskus wird darin genauer erklärt.

Fazit: Für Historien-, aber auch Krimifans absolut lesenswert!

 

496 Seiten
Verlag: Diana Verlag (Februar 2011)

19,99 Euro

Share.