Benjamin Lebert: Flug der Pelikane

Eine kurzweilige Geschichte über die sagenumwobene Insel Alcatraz.

 

 

Die Insel der Gefangenen
Alcatraz galt lange Zeit als das ausbruchssicherste Gefängnis der Welt. Errichtet auf einer Insel einige Kilometer vor der Küste Kaliforniens fungierte Alcatraz als Sicherheitsverwahrung für Schwerverbrecher, die aus anderen Gefängnissen der USA dorthin verlegt wurden.
Dass von dieser Gefängnisinsel bis heute eine gewisse Faszination ausgeht, hat auch der junge deutsche Autor Benjamin Lebert erfahren. Seit einer Reise durch Kalifornien begeistert er sich für Alcatraz und den legendären Ausbruch von vier Häftlingen im Jahr 1962. Leberts neuester Roman „Flug der Pelikane“ greift diese spektakuläre Flucht auf und bettet sie ein in die Geschichte um Anton.

Die Insel der Pelikane
Anton kehrt seiner Heimatstadt Hamburg den Rücken und folgt der Einladung seines Onkels nach New York. Um physisch und psychisch Abstand von seiner Ex-Freundin zu gewinnen, hilft Anton seinem Onkel für mehrere Wochen in dessen Bistro in einer Seitenstraße Manhattans aus. Schon bald erfährt er, dass sein Onkel eine regelrechte Sammlung über die vier Flüchtlinge aus Alcatraz angelegt hat. Er glaubt fest daran, dass die Gefangenen die Flucht überlebt haben, obwohl von offizieller Seite davon ausgegangen wird, dass sie auf dem Weg zum Festland ertrunken sind. Während des Sommers in Manhattan lernt Anton daher deutlich mehr über die amerikanische Kultur, als das tägliche Backen von pancakes. Schon bald zeigt auch Anton echtes Interesse an der Insel der Pelikane, wie das Eiland ‚Isla de los Alcatraces‘ auf Spanisch heißt.
Durch eine Reihe kursiver Einschübe erfährt der Leser mehr und mehr über die Hintergründe der über Jahre geplanten und minutiös ausgeführten Flucht der Insassen Clarence und John Anglin, Frank Lee Morris und Allen West. Zunehmend erhält der Roman daher den Charakter zweier parallel erzählter Geschichten, die sich weder zeitlich noch räumlich berühren.

Der Flug der Pelikane
Während der Leser schon zu Beginn erfährt, dass hier von einem erfolgreichen Gefängnisausbruch die Rede ist, bleibt die Geschichte um Anton deutlich nebulöser. Durch die gemeinsame Leidenschaft um Alcatraz, die Anton nun mit seinem Onkel teilt, bauen die beiden Männer eine intensive Beziehung zueinander auf. Dieser zwischenmenschliche Aspekt ist es vor allem, der Antons Part so lesenswert macht.

Fazit
Ein kurzweiliges, und doch auf vielen Ebenen tiefgründiges Buch aus der Feder eines der herausragendsten deutschen Jungautoren, der mit seinem Debüt „Crazy“ für Aufsehen sorgte. 

Jutta Schönfelder

 

Taschenbuch, 192 Seiten

Kiepenheuer & Witsch; September 2010

7,95 Euro

 

 

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