Autor mit unrühmlicher Vergangenheit trifft auf Geister

Der Autor der beliebten Vampirserie „Mitternachtszirkus“ liefert einen spannenden Thriller der besonderen Art – Auftragskiller, Geister, Horror – eine gelungene Mischung!

Recherchen für seinen neuen Horror-Roman führen den Schriftsteller Ed Sieveking nach London. Sein Ziel ist es,  Geister aufzuspüren und deren Existenz zu beweisen – immerhin spielen sie in seinen Romanen die Hauptrolle. Und nicht nur in seinen Romanen, wie es scheint…  Auch in seinem Privatleben begleiten ihn sechs ganz persönliche und allzu realen Geister, die ihm das Leben schwer machen und ihn stärker beeinflussen, als ihm lieb ist – Geister aus einer Vergangenheit, die er nur zu gerne hinter sich lassen würde…

Auf seiner Suche nach dem „Geistesblitz“ für sein Buch macht Ed die Bekanntschaft mit Joe, der ihm bald zu einem treuen Freund wird. Außerdem  lernt er die charismatische und geheimnisvolle Andeanna kennen – und lieben.  Eine gefährliche Liebe, denn  Andeannas Ehemann ist niemand anderes als der einflussreiche und äußerst eifersüchtige Gangsterboss Mikis Mendres.  Was nun geschieht, entwickelt sich zu einer Horror-Geschichte der ganz besonderen Art…

Geheimnisvoll und temporeich

Mit diesem Thriller hat sich  Darran Shan fort von seiner erfolgreichen „Mitternachtszirkus“-Serie gewagt. Waren in der erfolgreichen Serie Vampire die Protagonisten, so sind es hier Geister, Auftragskiller und ein Autor mit einer unrühmlichen Vergangenheit.

Zugegeben: Die ersten 50 Seiten muten ein wenig träge an, bieten jedoch wichtige Hintergrundinformationen, die für das spätere Verständnis von Zusammenhängen und als Einstimmung in die Geschichte unerlässlich sind. Je mehr man jedoch in das Geschehen eintaucht und sich auf die mysteriöse und geheimnisvolle Atmosphäre einlässt, umso packender und temporeicher wird die Story. Der Autor entführt den Leser in eine Welt, in der Geister ebenso ihren Platz erhalten wie gnadenlose Killer, die für Geld scheinbar alles zu tun bereit sind – oder doch nicht? Und genau hier fangen die Zweifel an: was ist echt, was sind Geister, wer ist gnadenlos, wer vertrauenswürdig? Genauso, wie Ed immer mehr an sich und seiner Umwelt zweifelt und VERzweifelt, so geht es auch dem Leser – ich zumindest hatte irgendwann das Gefühl, bald wahnsinnig zu werden, sollte ich nicht sofort oder zumindest binnen der nächsten Seiten des Rätsels Lösung erfahren, die mir bis eben so eindeutig vorkam und nun doch wieder als völlig abwegig beiseitegeschoben werden musste.

Viele Wendungen, Gruselfaktor und Spannung und Ende

Wirklich beeindruckend, was der Autor hier sowohl den Protagonisten als auch dem Leser an Möglichkeiten, Wendungen und Spuren bietet. Durch die Verbindung mit geheimnisvollen und mystischen Elementen wie Geistern, einem Medium und ähnlichen unerklärlichen Vorgängen erhält die Geschichte oft einen bezeichnenden Gruselfaktor, der mir tatsächlich das eine oder andere Mal einen regelrechten Schauer über den Rücken jagte. Dennoch entfernte sich die Handlung nicht übermäßig  ins Unglaubwürdige – ich war mir stets sicher und hoffte, dass es irgendwie für alles letztlich eine vernünftige Erklärung geben konnte, einfach musste… Und so blieben die Grenzen zwischen Fantasie, Wahnsinn und Realität stets fließend, ließen eine Wendung in alle Richtungen offen, wodurch genau die Spannung aufrecht erhalten wurde und sie sogar noch steigern konnte. Ob ich letztendlich recht behielt? – Das wird an dieser Stelle nicht verraten! So sehr ich also am Anfang des Buches nicht so recht wusste, wohin diese Geschichte führen sollte, so sehr war ich spätestens ab Seite 100 davon fasziniert.

Fazit

Ein Thriller der besonderen Art, der Geister mit Realität und Thriller verbindet, fließende Grenzen schafft und Protagonisten wie Leser schier in den Wahnsinn treibt…  Lesen!

Birgit Theis (academicworld-Rezensentin)

Darran Shan. Die Toten, die ich rief.
14,95 Euro. rowohlt-Verlag

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