Alix: Wiedersehen mit einem gealterten Jugendfreund

Eine klassische frankobelgische Comicserie erscheint in neuem Gewand: Togaträger Alix ist alt geworden, die Serie aber erlebt dadurch eine Frischzellenkur.

Alix, Alter, du hast dich ja kaum verändert!

Die meisten großen Comicserien haben die stärksten Alben in der Mitte ihrer Lebensdauer. Zu Beginn einer Serie fremdeln Autor und Figuren scheinbar noch, gegen Ende gehen meist die Ideen aus oder lösen sich Autoren-Zeichner-Teams auf. Den größten Verfall einer Serie erleben Comicliebhaber diesbezüglich bei Asterix.

Auch die Serie Alix ist in dieser Hinsicht nahezu prototypisch zu sehen. Zu Beginn der Serie wirkten die Zeichnungen oft noch hölzern, zudem missriet oft die Ausgewogenheit von Text und Bild. Erst nach sechs, sieben Alben hatte der Schöpfer der Antiken-Serie, Jacques Martin, seinen Stil gefunden und legte einige glänzend recherchierte und erzählerische großartige Bände vor. Viel Melodramatik, jedoch aber auch unglaubliche Akribie zeichneten die Abenteuer des gallischstämmigen Römers aus, der von Cäsar beauftragt die antike Welt bereiste. Die zuletzt erschienen Alben – zumeist in Verbund mit anderen Zeichnern entstanden – enttäuschten jedoch immer mehr. Wieder einmal mussten sich Liebhaber von einer Comicreihe verabschieden. So schien es zumindest – bis vor kurzem der Band „Alix Senator“ auftauchte.

Erstmal gleicht das Ganze einem Schock für Altleser der Serie: Der Patriziersohn war/ist offenbar erwachsen geworden, zum Senator aufgestiegen, sein ehemaliger Jugendfreund Oktavian herrschte nun unter dem Namen Augustus über das römische Reich. Und beauftragte ihn im vorliegenden Band mit der Untersuchung von mysteriösen Todesfällen, denn zwei Politiker wurden von Adlern zerrissen. Unterstützt von seinen Söhnen Titus und Kephren, begibt sich Alix auf Spurensuche im antiken Rom.

Die Idee, den Serienhelden rund 30 Jahre altern zu lassen, ist großartig. Vielleicht ist die Geschichte selbst noch nicht der ganz große Wurf – sie ist solide, aber erzählerisch nicht nicht vielschichtig genug – jedoch gibt sie der gesamten Serie wieder eine Zukunft, was jeden Freund klassischer „Frankobelgier“ enorm freut. 

Alix Senator Band 01. Die blutigen Flügel. Valérie Mangin
14,80 Euro, Splitter

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