Wider der Trägheit des Blockes

Piotr Olkowski ist derzeit im Kraftwerk Niederaußem im Bereich Anlagentechnik beschäftigt. Dort soll er die Erfahrung übertragen, die er bei der Erstellung seiner Diplomarbeit im Kraftwerk Neurath gesammelt hat. Dabei ging es um Wirkungsgrad- und Verfahrensoptimierung sowie Blockflexibilität.

© RWE
Mit Dipl.-Ing. (FH) Piotr Olkowski freuen sich sein Betreuer Prof. Dr. Michael Seidel (links) und Dr. Heinz-Jürgen Wüllenweber, Leiter der Abteilung Anlagentechnik im Kraftwerk Niederaußem. © RWE

Wie sind Sie denn überhaupt zu Ihrem Thema gekommen?
Die Blockflexibilität hat bei der RWE Power eine große Bedeutung. Deshalb hat mir der Arbeitgeber die Möglichkeit geboten mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich persönlich fand es aber auch sehr spannend, weil es so stark im Fokus steht und den Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützt.

Warum ist die Blockflexibilität für die erneuerbaren Energie von Bedeutung?
In Deutschland wurde die Einspeisung der erneuerbaren Energien in den letzten Jahren stark ausgebaut. Die Leistung reicht allerdings im Moment noch nicht aus um uns kontinuierlich mit Strom zu versorgen. Deshalb ist es wichtig, dass die erneuerbaren Energien einen verlässlichen Partner haben, der dann, wenn kein Wind weht oder keine Sonne scheint, einspringt und Energie liefert. Konventionelle Kraftwerke müssen dann die Schwankungen bei der Stromeinspeisung ausgleichen.

Könnten Sie mir ihr Konzept erklären?
In meiner Arbeit geht es um die Unterstützung des Stromnetzes durch Ausregeln der Energie. Dabei versuchen wir für die sogenannte Primär- und Sekundärregelleistung kurzfristig Energie beziehungsweise Strom zur Verfügung zu stellen um Schwankungen im Netz auszugleichen. Dazu nutzen wir die Speicherkapazität im Wasser-Dampf-Kreislauf aus. Wenn weniger Strom benötigt wird speichern wir die Energie im Wasser-Dampf-Kreislauf, wird mehr benötigt, setzen wir diese Speicherkapazität wieder frei und wandeln das Ganze in Strom um.
Wenn bei einer Überkapazität oder einem Überbedarf an Strom, zum Beispiel durch sehr hohen Windanteil, zu viel Strom im Stromnetz ist müssen die konventionellen Kraftwerke ihre Leistungen reduzieren. Ein wichtiger Punkt ist hier die minimale Teillast soweit wie möglich zu verringern, um die Leistung bei Bedarf aber möglichst schnell wieder anheben zu können. Dazu nimmt man verfahrenstechnische Optimierungen vor und schöpft die Grenzen der Anlagentechnik aus – unterstützt durch moderne Leit- und Messtechnik.

Kann man noch mehr herausholen?
Eindeutig. Seit der Zeit in der ich meine Diplomarbeit geschrieben habe, ist auch schon wieder einiges passiert. Die Konzepte wurden weiter verfeinert, optimiert, verbessert. Da ist RWE Power sehr zielstrebig. Ich glaube in der Technik gibt es immer Möglichkeiten Dinge zu verbessern und ja, ich sehe hier noch weiteres Potenzial, aber wir sind auch schon sehr weit gekommen.

Was war bei ihrer Arbeit die größte Herausforderung?
Braunkohlekraftwerke waren ursprünglich für die Grundlast ausgelegt. Daher sind alte Blöcke, die für eine stabile Stromversorgung ausgelegt wurden, nicht besonders flexibel. Die Trägheit des Blockes stellte daher die größte Herausforderung dar. Da galt es verfahrenstechnische Optimierungen vorzunehmen. Anders ist es bei den neuen, flexibel fahrbaren BoA-Blöcken – das sind Braunkohleblöcke mit optimierter Anlagentechnik. In Niederaußem haben wir bereits seit 2003 BoA1 am Netz, der derzeit weltweit modernste Braunkohlenblock. In Neurath gehen im Frühjahr 2012 BoA2 & 3 an Netz.

Sind Ihre Neuerungen auch bei anderen Kraftwerkstypen umsetzbar?
Ich habe mich bei meiner Arbeit sehr stark auf die Braunkohle fokussiert. Allerdings ist der Wasser-Dampf-Kreislauf bei allen fossilen Kraftwerken sehr ähnlich. Das heißt die meisten Maßnahmen können auch an Steinkohlekraftwerken realisiert werden. Soweit ich weiß, wurden in diesem Bereich bereits einige der Maßnahmen umgesetzt.
Sinnvoll wäre es natürlich, wenn man dergleichen nicht nur in Deutschland sondern weltweit umsetzen könnte. Beispielsweise in China, wo alle paar Tage ein neues Kraftwerk ans Netzt genommen wird. Die Wirkung wäre dort um ein Vielfaches größer – allein auf Grund der Kapazität. Da wäre ein Ideenklau sogar einmal wünschenswert.

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