Tsjakkaa rufen reicht nicht

Woran denken wir, wenn jemand von Motivation spricht? Wahrscheinlich an jemanden, der sich mit einem Kampfschrei und Anlauf auf seine Arbeit stürzt, dabei stets lächelt und auch noch anderen hilft, es ihm gleichzutun. Aber ist es wirklich das, was Motivation ausmacht? Der Experte Diplom-Psychologe Rolf Schmiel erklärt, was für ihn Motivation ist und wie man sich und andere motivieren kann.

Motivation ist ein wichtiger Baustein für den erfolgreichen Karriereweg (©www.helenesouza.com/pixelio.de)

Was ist Motivation eigentlich? Diese Frage sollte man vermutlich zuerst beantworten, bevor man darüber spricht, wie man sich und andere motivieren kann. Der Diplom-Psychologe Rolf Schmiel, der sich seit langem mit diesem Thema auseinandersetzt, erläutert, dass Motivation der Antrieb sei, die den Menschen zum Handeln bringen. Eine solche Handlungsfähigkeit ist natürlich Vorrausetzung für beruflichen Erfolg, was aber setzt bei High Potentials den Impuls für Motivation? Erfolgreiche Führungskräfte strebten durchaus nach übergeordneten Zielen, seien aber nicht altruistisch motiviert, meint Schmiel: „Eine altruistische Motivation bedeutet in meinem Verständnis, dass jemand Vollgas gibt, obwohl er keinen persönlichen Vorteil davon hat und ihm nur die Sache selbst am Herzen liegt“.

Bescheidenheit und Begeisterung 

Führungskräfte arbeiteten für gewöhnlich gerne und seien in der Regel dadurch motiviert, dass ihnen der Job Spaß mache. Aber unterm Strich sei für diesen Personenkreis neben dem Spaß genauso wichtig, dass gesetzte Ziele, an denen sie schließlich auch gemessen werden, erreicht würden. Dass die Motivation zu den Hauptfaktoren beruflichen Erfolges zählt, ebenso wie die Fähigkeit, sich selbst und andere zu motivieren, zweifelt niemand ernsthaft an. Das bedeutet nach Schmiels Einschätzung allerdings nicht, dass eine hohe Motivation nicht mit pesönlicher Bescheidenheit einhergehen könne:?„Ein Erfinder oder Wissenschaftler, der mit Begeisterung seine Arbeit macht, stellt sich nicht zwangsläufig in den Mittelpunkt. Das heißt, Bescheidenheit und Motivation stehen sich überhaupt nicht im Weg“.

Motivation muss nicht von Materialismus und Selbstsucht geprägt sein

Es gibt eine wichtige Unterscheidung, die man in Sachen Motivation treffen muss: Man spricht von der intrinsischen und extrinsischen Motivation. Diesen Schwerpunkt analysiert Rolf Schmiel tiefergehend in seinem Buch „Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen“ (Campus Verlag). Zur Begrifflichkeit sind folgende Unterscheidungen wichtig: Intrinsisch bedeutet, dass eine Sache per se Spaß macht. Extrinsisch motiviert  ist man dagegen, wenn man dafür eine Belohnung bekommt. Desweiteren kenne die Motivationsforschung geschlechterspezifische Unterscheidungen: In der Regel lieben Männer Wettbewerbssituationen und vergleichen sich gerne eins zu eins, während Frauen eher die Tendenz haben, Gruppenerfolge erarbeiten zu wollen.

Alle Menschen haben ein ungefähr gleich hohes Motivationslevel

Was können wir nun alle tun, um unsere Motivation zu steigern, Herr Schmiel? „Zunächst einmal muss man sagen, dass alle Menschen – seelisch Kranke und Ähnliches vielleicht ausgenommen – über alle Bereiche hinweg eine ungefähr gleich starke Motivation haben“. Es gäbe aber Personen, die in einem bestimmten Bereich außergewöhnlich stark motiviert seien, dafür aber in anderen Bereichen schwach sind. Es gäbe beispielsweise Sportler, die im musikalischen oder sozialen Bereich nicht besonders hoch motiviert sind – dies stelle aber für sie in der Regel kein Problem dar. Deshalb gehe es nicht darum, die Motivation über alle Bereiche gleichmäßig zu steigern, sondern sie genau in die Richtung zu lenken, wo sie gerade gebraucht wird, um sie dann entsprechend stärker zu entfachen beziehungsweise stärker bewusst zu machen.

Such dir Verbündete!

Der Diplom-Psychologe zeigt mehrere Methoden auf, die einem helfen können, über ein Motivationsloch hinwegzukommen: „Mein Tipp ist, sich Verbündete zu suchen. Diese Menschen bezeichne ich in meinem Buch gerne als Förderer und Forderer.“ Förderer sind nach Schmiel diejenigen, die einen trösten, die einem wohlgesonnen sind, einem zuhören und Mut zureden. Das alleine reicht jedoch nicht. Man brauche auf der anderen Seite den Typus des Herausforderers, der einen an die fehlende Disziplin und an die persönlichen Zusagen, die man gemacht hat, erinnert. 

Belohne dich!

Sein zweiter Tipp ist, eine Aufgabe, die mit einem unangenehmen Gefühl verbunden ist, mit einer Belohnung zu verknüpfen:?„Und sei es auch ein bloßes Treffen mit der Freundin oder ein Stück Kuchen. So hält man sich selbst am Laufen“. Natürlich sei es auch wichtig, ein klares Ziel vor Augen zu haben, denn es helfe ungemein, wenn man weiß, wofür man etwas tut. Permanentes Positiv-Denken sieht Schmiel kritisch, da das Ausblenden der Realität irgendwann dazu führe, dass man den Selbstbetrug nicht mehr aushalte und zusammenbrechen würde. Deshalb sei es besser, einfache liebevolle Maßnahmen zur Selbstdisziplinierung zu ergreifen. Das wichtige Wort dabei sei „liebevoll“. Denn nicht Verbissenheit führe zu Erfolg, sondern der bewusste Umgang mit seinen Stärken und Schwächen.

negative Erlebnisse sind wichtig. Nur daraus lernt man, dass man wieder aufstehen und weitermachen muss.

Dadurch, dass wir ein verzerrtes Bild von Motivation hätten, gäbe es große Fehler in der Motivierung von Mitarbeitern und auch in der Selbstmotivation. Es gäbe keinen Grund, davon auszugehen, man müsse immer gut drauf sein und stets Spitzenleistung bringen. Es müsse eine ausgeglichene Mischung geben, denn zum Leben gehörten Erfolge und Niedelagen dazu. Gerade durch Rückschläge und enttäuschende Erlebnisse entstehe eine „jetzt-erst-recht“ Motivation, die eine ungeheure Energie freisetzen würde. Aus Niederlagen lerne man, dass man wieder aufstehen und weitermachen müsse. „Wer Rückschläge nicht einstecken kann, ist ungeeignet für Erfolge“ heißt es in Schmiels Buch. Doch läuft man nicht Gefahr, durch diese jetzt-erst-recht-Einstellung verbissen zu werden? Der Diplom-Psychologe erwidert, dann sei man höchstens besessen. „Der russische Tänzer Rudolf Nurejew sagte einst ‚Besessenheit ist der Motor, Verbissenheit die Bremse.‘“


Tsjakkaa rufen reicht nicht
©Steffi Atze

Dipl.-Psychologe Rolf Schmiel, 41, ist seit 1999 als selbstständiger Berater, Dozent und Kongressredner tätig. Zu Rolf Schmiels Kunden gehören internationale Konzerne und traditionsreiche Mittelständler. Sein besonderes Markenzeichen als Speaker ist sein begeisternder Vortragsmix aus Motivation, Spaß und Psychologie. Sein neuestes Buch „Senkrechtstarter – Wie aus Frust und Niederlagen die größten Erfolge entstehen“ ist 2014 im Campus Verlag erschienen.

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