“Trainees und Geschäftsführer arbeiten in einem Team”

Durchschnittlich alle zehn Sekunden triftt eine Werbebotschaft auf den Konsumenten. Zugleich nimmt er nur einen Bruchteil der Informationen bewusst wahr, von denen ihn wiederum nur ein geringer Teil in dem Moment auch interessiert. Damit Markenbotschaften beim Konsumenten ankommen, bedarf es hoher Expertise in der Mediaplanung. Mediaberatungen erarbeiten für Kunden strategische Mediapläne und unterstützen sie bei der Optimierung ihrer getätigten Werbeinvestitionen. Wir sprachen mit Oliver Blecken, Geschäftsführer von Deutschlands größter Mediaberatung MediaCom, über die interessantesten Herausforderungen in seiner Branche.

Oliver Blecken (Foto) sieht bei Bewerbern eine Kompetenz im Umgang mit Zahlen als wichtiges Kriterium an: “Auf Kundenseite sprechen wir in der Regel mit dem Marketing. Dadurch müssen wir ebenfalls mit betriebswirtschaftlichem Know-how aufwarten”.

Herr Blecken, Sie sind Geschäftsführer der größten Mediaberatung Deutschlands. Seit 2002 gibt es keine Agentur, die mehr Werbegelder betreut als MediaCom. Macht es Ihnen Sorge, dass zunehmend auch klassische Beratungsgesellschaften Media-Einheiten bilden und Ihrer Branche Konkurrenz machen?

Sorge macht es mir nicht. Um Kunden im Mediageschäft erfolgreich betreuen zu können, bedarf es vieler Faktoren, die sich nicht aus dem Stand heraus entwickeln lassen. Es geht dabei nicht alleine um Erfahrung, sondern auch um die Erhebung und Verarbeitung gigantischer Datenumfänge, die wir für unsere Kunden benötigen. Auch ein derart umfangreiches Leistungs-portfolio, wie wir es am Standort Deutschland mit derzeit rund 700 Mitarbeitern anbieten, sehe ich bei aller Bescheidenheit als qualitative und quantitative Benchmark. Die Beratungsgesellschaften werden sich also gewaltig strecken müssen um mit uns auf Augenhöhe zu konkurrieren. An dem Punkt beneide ich die klassischen Consultinggesellschaften sicher nicht.

An welchem Punkt denn genau?

Wenn ich uns auch nicht als direkte Wettbewerber um Kunden sehe, so konkurrieren wir doch um den Nachwuchs, der in den nächsten Jahren die Hochschulen verlässt. Da sehe ich unsere Branche noch nicht besonders gut positioniert, auch wir bei MediaCom haben da Nachholbedarf. Die großen Strategieberatungen haben uns da einiges voraus, ihnen gelingt es besser, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Dabei passen viele von denjenigen, die in den klassischen Consultingbereich gehen, auch gut zu uns. Im Begriff „Mediaberatung“ steckt das Wort „Beratung“, trotzdem denken Absolventen beim Berufseinstieg eher an klassische Consulting-gesellschaften. Das gilt es zu ändern.

Das heißt, Sie würden bei MediaCom mehr gute Absolventen einstellen, wenn sie sich in ausreichendem Maße unter den Bewerbungen finden würden.

Definitiv. Wir kriegen viele Bewerbungen, aber es könnten mehr von denen sein, die wir wirklich suchen.

Woran liegt es, dass Ihre Branche nicht so sehr im Fokus der Absolventen steht?

Auch da kann ich nur selbstkritisch antworten, dass wir noch zu wenig transparent machen, wie unsere Arbeit aussieht, was ihren Reiz ausmacht und was für Karriereperspektiven man bei uns hat. Ich bin überzeugt, dass Ihre Leser überrascht wären, wenn Sie wüssten, was wir ihnen bei MediaCom zu bieten haben. Wobei es natürlich auch Überschneidungen zum klassischen Beratungsgeschäft gibt.

Wo sehen Sie diese Überschneidungen im Anforderungsprofil an Berufseinsteiger abgebildet?

Wenn ich nun anfange, Ihnen zu erzählen, dass auch wir den kommunikationsstarken Teamplayer suchen, der in der Regel einen wirtschaftswissenschaftlichen Background hat, um mit Daten und Zahlen hantieren zu können, sehe ich Ihre Leser förmlich gähnen – denn jeder sucht zunächst mal die besonders hellen Köpfe, die strategisch denken können und intern und beim Kunden gut auftreten können. Da machen wir keine Ausnahme.

Jetzt müsste eigentlich ein „Aber“ kommen.

Richtig. Denn neben diesen Basics spielen noch andere Dinge eine Rolle, die bei einem Unternehmen wie MediaCom einfach wichtig sind. Ein Mitarbeiter muss ein Gespür für Produkte, Menschen und Zielgruppen haben. Wenn er Spaß an neuen Themen und Trends hat, ist dies eine sehr gute Vorraussetzung für eine Karriere in unserem Haus. Ich sehe uns an diesem Punkt ein Stück weit kreativer und phantasievoller arbeiten, als dies im meistens ausschließlich zahlengetriebenen Consultinggeschäft der Fall ist.


academicworld crossmedia

Diese Interview ist zuerst erschienen im Magazin junior//consultant,
Ausgabe 2 -2011. 

Womit beglücken Sie denn denjenigen, der bei diesen Worten Lust auf MediaCom bekommt und Ihr Unternehmen als Arbeitgeber ins Kalkül zieht?

Ihre Frage ist vielleicht etwas flapsig formuliert, aber sie führt an den Punkt, an dem wir deutlich machen müssen, was uns wirklich ausmacht. Warum sind wir der beste Arbeitgeber für die besten Absolventen und worin unterscheiden wir uns wirklich? Viele Arbeitgeber, die Hochschulabsolventen umwerben, pflegen ja einen sehr ähnlichen Recruitingduktus, so dass es schwer fällt, daraus eine eigene Unternehmenskultur zu erkennen. 

Unser wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, dass man bei MediaCom sehr schnell von extrem flachen Hierarchien profitiert, darin sehe ich einen entscheidenden Vorteil unseres Hauses. Flache Hierarchien sind dann für Berufseinsteiger besonders interessant und wichtig, wenn sie es ihnen ermöglichen, von erfahrenen und hochkompetenten Kollegen zu lernen. Bei MediaCom arbeiten Trainees schon im ersten Jahr direkt mit Geschäftsführern in Projekten zusammen, sie bekommen früh Verantwortung und lernen von den Besten unserer Kollegen. Die Führungsebene ist wirklich nah dran an den Berufseinsteigern. Etwa, wenn jeder Teilnehmer unseres Trainee-Programms nach zwölf Monaten für ein fiktives Projekt eine Mediastrategie entwickelt und diese vor der Geschäftsführung präsentiert. Diese enge Zusammenarbeit zwischen Berufseinsteigern und Geschäftsführung führt dazu, dass man sich sehr schnell entwickeln kann und damit die eigene Karriere stark unterstützt. 

Ihr Vorgänger als Geschäftsführer bei MediaCom hat als Trainee angefangen. Nach acht Jahren führte er die Agentur. Glauben Sie, dies wäre bei einer klassischen Unternehmensberatung mit 700 Mitarbeitern ebenfalls möglich?

Mir fällt keine ein. Dieses Beispiel bestätigt, welche Karrierechancen man in unserem Unternehmen hat.

Suchen Sie eigentlich eher Spezialisten oder Generalisten?

Die Berater bei uns müssen sicherlich ein breites Spektrum abdecken, denn sonst könnten sie den  Kunden keine fundierten Empfehlungen geben, die das gesamte Mediaportfolio berücksichtigen. Aber wir brauchen auch Spezialisten, die sich insbesondere einem Thema widmen, zum Beispiel in der Mediaforschung oder in der technischen Entwicklung. 

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