Strategie zum beruflichen Erfolg

Wie bekomme ich meinen Traumjob? Wie kann ich im Bewerbungsgespräch überzeugen? Die besten Tipps für Hochschulabsolventen und Berufseinsteiger gibt Harry Holzheu, Kommunikationstrainer und Businesscoach.

Vor dem Bewerbungsgespräch liegen die Nerven häufig blank.

Erfolgreiche Hochschulabsolventen und -Absolventinnen haben ganz zu Recht das Gefühl, soeben eine entscheidende Phase ihres Lebens erfolgreich hinter sich gebracht zu haben und können sich nun im glanzvollen Glück darauf freuen, dass ihnen mit dem erworbenen Wissen und dem Titel auf der Visitenkarte die Welt offen steht. Das ist auch so. Nur ist es eher kontraproduktiv, wenn eine Person, die sich um einen Job bewirbt, dies all zu sehr zeigt und hervorhebt.

Zur Zeit stehen die Türen nicht mehr so weit offen wie früher, teilweise sind es nur noch Türspalten, durch die man sich in neue, herausfordernde Aufgaben hineinzwängen darf (falls man in der Warteschlange zuvorderst gestanden hat). Aussichtsreiche Arbeitsplätze werden immer seltener und die Anzahl der sich dafür Bewerbenden nimmt ständig zu. Der Wettbewerb hat deshalb enorm zugenommen. Auch hier gilt das Gesetz des Marktes für Angebot und Nachfrage.

Am Ende entscheidet die Kommunikationsfähigkeit

Gehen wir einmal von ca. 300 Bewerbungen für ein lukratives Stellenangebot aus, was heute fast die Regel ist. Da kommen letztendlich höchstens fünf in die engere Wahl und werden zu einem ersten Gespräch eingeladen. Sie haben alle einen vergleichbaren Wissensstand von hohem Niveau mit guten bis sehr guten Abschlussnoten. Wer wird das Rennen machen? Um sich gegen die anderen BewerberInnen zu profilieren, zählen jetzt nicht das erworbene Wissen und auch nicht die bisherigen, entscheidenden Messgrößen wie rationale Intelligenz, Lernfähigkeit, Einsatz und Fleiß usw., denn man kann davon ausgehen, dass diese auch bei den Mitbewerbern und Mitbewerberinnen etwa im gleichen Masse vorhanden sind. Jetzt zählen vielmehr die Emotionale Intelligenz und die soziale Kompetenz. Eigentlich ist es die Kommunikationsfähigkeit, die schließlich definitiv entscheidet.

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete.

 

Wie kann man sich vorbereiten?

Je mehr man über die Firma weiß, bei der man sich bewirbt, desto besser. Wer sich bereits zu Beginn des Bewerbungsgespräches darüber glaubwürdig äußern kann, warum er oder sie gerade so erpicht darauf ist, bei diesem und keinem anderen Unternehmen tätig zu sein, um gerade diese und keine andere Funktion ausüben zu dürfen, wird einen ganz besonders starken Eindruck auf die Entscheidungsträger machen. Im Allgemeinen gibt man nämlich den Job derjenigen Person, die ihn sich am meisten ersehnt und das am besten darstellen und begründen kann. So banal dieses vielleicht tönt, so realistisch ist das in der Praxis.

Mein Geheimtipp: Ich würde sogar empfehlen, eine bis drei Personen zu interviewen, die in diesem Unternehmen arbeiten, um wichtige Informationen zu erhalten über das Image, die Erfolgsfaktoren und die Zukunftsaussichten dieses Unternehmens.

Gleich noch ein Geheimtipp: Solche Interviews lieber nicht über die HR Abteilung (Human Ressources) vereinbaren, sondern einfach direkt die Zentrale anrufen und nach der Person fragen, die diese oder jene Funktion ausübt (nicht gerade der CEO!) und die Assistentin um ein kurzes Interview – entweder telefonisch oder persönlich – von zehn Minuten Dauer bitten. Als Begründung kann man ruhig sagen, dass man sich als Hochschulabgänger für diese Firma besonders interessiert, dann sind die Erfolgschancen hoch. Ein solches Vorgehen ist zugleich ein Test für den Einsatzwillen, das Selbstwertgefühl und die Zuversicht der sich bewerbenden Person. Wenn man dann im Bewerbungsgespräch auch sagen kann: „Ich habe mit einer oder mehreren Personen gesprochen, die in Ihrem Unternehmen arbeiten und von deren Aussagen hat mich am meisten beeindruckt:  XY.“ Das ist schon der halbe Erfolg.

 

Schenken Sie jeder Person einen kurzen Augenblick lang Ihre volle Aufmerksamkeit!

Überzeugende Gründe

Wichtig ist, dass man einleuchtende und überzeugende Gründe nennen kann über: Warum will ich gerade in Ihrem Unternehmen besonders gerne arbeiten? Was imponiert mir besonders an Ihrer Firma? Warum beeindruckt mich Ihr Image so stark? Warum gefällt mir Ihr Unternehmen besonders? Was interessiert mich am meisten an dem Job, den Sie zu vergeben haben?

Wer „sich besser verkauft“, macht das Rennen.

Der erste Eindruck im Bewerbungsgespräch ist entscheidend. Es lohnt sich, jede einzelne Person äußerst zuvorkommend zu begrüßen. Dabei soll man sich bei jeder Person für drei Sekunden ganz in den Augenblick nehmen, alle Gedanken abstellen und sich ganz der Person zuwenden. Totale Zuwendung ist etwas, was man heutzutage kaum mehr bekommt und die Entscheidungsträger, die das von einer sich bewerbenden Person gleich bei der Begrüßung schon bekommen, werden das sehr schätzen. Bis alle Platz genommen haben, wird die äußere Erscheinung geprüft. Die Augen gehen von oben nach unten und wieder nach oben. Gepflegte, diskret-elegante Business-Kleidung ist gefragt, weder schillernd, noch auffällig, noch allzu modisch.

Schmuck ist bei Herren heutzutage allgemein verpönt (einzig eine schöne Uhr und Manschettenknöpfe sind erlaubt). Herren stehen unter Krawattenzwang. Bei den Damen ist Schmuck nur ganz beschränkt empfehlenswert. Alles, was zu sehr auffällt (schrille oder zu leuchtende Farben, exotische Frisuren) soll vermieden werden. Es gilt die Regel: sauber, gepflegt aber diskret. Penetrante, zu stark duftende und nach dem Händeschütteln stundenlang anhaftende After Shaves, Eau de Toilettes oder gar Parfumes können ein Bewerbungsgespräch sogar abkürzen mit fatalen Konsequenzen.

Das Verhalten im Gespräch entscheidet.

Man merke sich: Kein permanentes Lächeln (wirkt unnatürlich), sondern immer nur zurück lächeln, Augenkontakt unbedingt halten (mit der Person, die gerade redet), mit dem Kopf nicken, wenn Dinge gesagt werden, die man besonders wichtig findet u.a.m.
Die eigene Einstellung ist im Bewerbungsgespräch besonders wichtig, den diese strahlt man – oft ungewollt – auch aus. Es wäre gefährlich, zuviel Stolz über das abgeschlossene Studium zu markieren, jetzt ist eher Bescheidenheit (Demut = das Wissen um die eigene Begrenztheit) gefragt. Man kann ruhig auch aussprechen, dass man sich jetzt wieder ganz am Anfang einer total neuen Aufgabe sieht und sich da zuerst hineindenken und hineinfühlen muss.

Es lohnt sich, Neugierde auszustrahlen und auch zu erwähnen, dass man sich darauf freut, ganz Neues und Ungewohntes kennen zu lernen und offen ist für unerwartete Herausforderungen, gespannt auf viele zu lösende Aufgaben und Probleme. Die eigene Einstellung wird nicht nur gefühlsmäßig empfunden, sondern durch die Körpersprache zusätzlich übertragen, ob man will oder nicht.

Hat man sich vor dem Gespräch selber gesagt, dass es jetzt erst Recht mit dem Lernen von Neuem anfängt und dass man sein erworbenes Wissen zuerst einmal eher zurückhalten muss, gibt das den eigenen Aussagen den richtigen Ton und jegliche Andeutungen von Überheblichkeit und Arroganz werden so vermieden. So selbstsicher und selbstbewusst man in Bezug auf das eigene Wissen und Können auch sein darf, den neuen Job gut beherrschen zu können sollte man nicht zum Ausdruck bringen, sondern betonen, dass man darauf brennt, neue Herausforderungen zu suchen. Hier werden ganz entscheidende Fehler gemacht bei Bewerbungen. Sicher darf nur sein, dass man den neuen Job haben will, nicht dass man im Voraus annimmt, ihn wirklich auch zu beherrschen.

 

Zu viel Selbstbewusstsein kann negativ und arrogant wirken.

Ein hoher Sympathiewert ist Voraussetzung.

Gemeint ist nicht etwa ein serviles oder devotes Benehmen. Ganz und gar nicht. Man darf sich ruhig seines eigenen Stellenwertes bewusst sein. Aber anstatt sich möglichst schillernd darzustellen und wie ein Pfau das Rad zu schlagen, empfehle ich, sich eher zurückzuhalten und vor allem, gut zuzuhören und Fragen zu stellen.
Wer fragt, der führt. Fragen wie z.B. „Worauf kommt es Ihnen ganz besonders an bei dieser Funktion wofür Sie jemand suchen?“ oder „Was ist Ihnen am Wichtigsten bei diesem Job?“ zeigen den Entscheidungsträgern, dass man den Job und nicht sich selbst in den Vordergrund stellt. Mit solchen Fragen zeigt man auch, dass man ein Gespräch in seine eigenen Bahnen lenken kann ohne als rechthaberisch oder gar besserwisserisch zu gelten. Wenn man jemand überzeugen will, sollte man sich um die Gunst der Entscheidungsträger bewerben und versuchen, diese für sich zu gewinnen, bevor man rationale Argumente aufführt. Als sich bewerbende Person kann man kaum Argumente aufführen, warum man gerade sich auswählen soll und niemand anderen. Man kann höchstens Versprechen abgeben wie z.B.: „Ich kann Sie versichern, dass ich mich voll einsetzen werde!“ oder „Ich werde mit aller Kraft versuchen, die Ziele zu erreichen, die man mir vorgibt!“ usw. Aber solche Versprechen gibt man besser erst dann ab, nachdem man die Zusage erhalten hat.

Die Chemie muss stimmen

Erfahrene Führungskräfte geben zu, dass sie Personalentscheide meistens eher „aus dem Bauch heraus“ fällen anstatt aufgrund attraktiver Lebensläufe. Aussagen wie z.B. „Es muss funken!“ oder „Die Chemie muss stimmen!“ sind typisch dafür. Das heißt: man muss versuchen, Vertrauen zu schaffen. Vertrauen hat man viel eher und schneller in eine Person, die man sympathisch findet als in eine, die eine gewisse Distanz ausstrahlt. Dasselbe ist natürlich auch umgekehrt sehr wichtig. Wenn man als sich bewerbende Person kein gutes Gefühl hat gegenüber einem möglichen zukünftigen Chef, sollte man seine Bewerbung lieber zurückziehen. So könnten manche große Tragödien vermieden werden.

Schließlich gilt Ähnliches wie bei der Suche nach einer Lebenspartnerin oder einem Lebenspartner. Man kann nie so klar und genau artikulieren, warum man gerade auf die Person gekommen ist und auf keine andere. Letztendlich sind es gefühlsmäßige Entscheidungsfaktoren, die bestimmen, ob man sich für die meiste Zeit des Lebens mit einer bestimmten Person umgibt, sei es geschäftlich oder privat. Dasselbe gilt oft auch bei Trennungen. Die Amerikaner sagen: „I don’t like your face!“, wenn ihnen kein anderer Grund für eine Kündigung einfällt. Am besten fährt man, wenn man sich nach einer missglückter Bewerbung oder einer Trennung sagt: „Es gibt noch so viele andere Möglichkeiten!“ Besonders für Hochschulabgänger trifft das ja in ganz hohem Maße zu.

 

Zum Autor

Harry Holzheu ist Kommunikationstrainer und Business-Coach für Verkauf und Rhetorik. Mit seinem Ansatz, den Menschen ganzheitlich anzusprechen und so sein Vertrauen zu gewinnen, was Emotional Selling ® ausdrückt, schlägt Harry Holzheu eine Brücke zum Gegenüber (vom Ich zum Du).
Zudem ist er Autor mehrerer Fachbücher, unter anderem „Wer nicht lächeln kann, macht kein Geschäft – Emotional Selling“ (Redline Wirtschaft 2007) und „Vertrauen gewinnen – Empathie und Offenheit in der Führungs- und Verkaufskommunikation“ (erschienen im Springer Verlag 2010).

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