Resilienz stärkt Berater

Spitzen-Gehälter, Top-Klienten – den Beruf des Beraters stellen sich vor allem Hochschulabsolventen als besonders aufregend vor. Doch es gibt auch negative Seiten. Häufig sind Consultants in ihrem Job einem enorm hohen Leistungs- und emotionalen Druck ausgesetzt. Der Experte Tobias Illig weiß, welche Faktoren dazu beitragen, dass Berater stabil bleiben.

Berater müssen in der Regel sehr mobil sein. Wer immer unterwegs ist, braucht Konstanten im Leben: Orte, an denen er sich wohl fühlt und vertraute Menschen trifft. 

Consultants sind eine nomadische Berufsgruppe. Ständig unterwegs im Auftrag des Kunden, nirgendwo eine feste Bleibe, dafür gute Hotels, gute Bezahlung, gute Aussichten. Der Beruf kostet allerdings.
In den letzten Jahren registrieren die Krankenkassen einen Anstieg an psychosozial bedingten Erkrankungen. Depression hat bald den Herzinfarkt als Ausfallgrund abgelöst. Seit Mitte/Ende der 90er beklagen sich viele Arbeitnehmer über zunehmende Arbeitsbelastung, mehr Arbeitszeit, mehr Druck. Das bleibt auch privat nicht ohne Folgen und fordert seinen Tribut. Die in den 80er Jahren von Ulrich Beck prophezeite Risikogesellschaft ist längst in unseren Häusern, Wohnzimmern und Unternehmen angekommen.

Die Folgen sind besonders für Consultants unter anderem sehr persönlich: jahrelange Fernbeziehungen, erhöhte Burn-out-Gefahr, Ausrichtung des Lebens aus-schließlich auf ökonomische Belange, familiäre Trennungen. Das Thema Work-Life-Balance versprach zwar vor einigen Jahren eine gelingende Balance zwischen Arbeits- und Berufsleben, die Krankenrate ist allerdings unverändert hoch.

Familie sowie die Gründung und Aufrechterhaltung derselben ist besonders für nomadische, unstete Consultants ein nicht konfliktfreies Thema. Private Beziehungsgestaltung fällt besonders bei jungen, berufsunerfahrenen Beratern oft schwer und überraschend in die Biografie. Soziale Rushhour nannte Matthias Horx den Abschnitt zwischen 25 und 35, in dem Karriere gemacht werden will, aber gleichzeitig traditionell auch Familie gegründet werden soll. Das fordert und kostet. Der Nutzen will sehr gut individuell abgewägt sein.
Wenn Consultants stabil bleiben wollen, brauchen sie sozialen Rückhalt. „Geborgenheit“ als sozialromantisches Missverständnis avanciert für Berater zur absolut notwendigen Ressource für ein gelingendes Leben und Arbeiten. Die Weltmärkte brauchen Persönlichkeiten, die es gelernt haben, es mit einem anderen Menschen auszuhalten und das Ego zugunsten der Gemeinschaft angemessen unterzuordnen. Das ist für Consultants deshalb manchmal nicht einfach, weil sie gewohnt sind, in Meetings mit Machtmenschen zu diskutieren und sich auch dominant gegen Barrieren durchzusetzen. Das muss man als Berater können, aber zu Hause sollte man diesen Stil abschalten. Durch Familie und Partnerschaft reift man. Egozentrische, narzisstische Karrieristen sind zu gierig nach kurzfristigen Kicks. Das trägt nicht langfristig.

Was aber lässt das Leben von Consultants gelingen? Die Positive Psychologie hat in den letzten Jahren an Bekanntheit zugenommen und gibt Empfehlungen. Die Grundidee ist einfach. Die Psychologie hat Jahrzehnte der Forschung in Negatives investiert: Depressionen, psychologische Pathologien, Konflikte. Es gibt deutlich mehr Studien über das Schlechte im Menschen als Studien, die Freude, Glück und Zufriedenheit fokussieren. Positive Psychologie hat genau diese Kehrtwende gewagt und vielfältige Forschungszweige entwickelt, die sich mit dem Guten, dem Lebendigen und dem Positiven beschäftigen. Eine davon ist PsyCap.

PsyCap ist eine Forschungsrichtung um den Psychologieprofessor Fred Luthans, die sich mit psychologischem Kapital beschäftigt. Luthans untersucht, wie Menschen PsyCap entwickeln. PsyCap besteht aus vier Säulen: Selbstwirksamkeit, Hoffnung, Optimismus und Resilienz. Im Folgenden sollen die vier Säulen näher dargestellt und geprüft werden, wie es für das Leben als Consultant genutzt wird.

Selbstwirksamkeit:

Zunächst beschreibt Selbstwirksamkeit so etwas wie den Glauben an sich selbst. Dass sich Menschen etwas zutrauen, sich für kompetent halten, Stärken in diversen Bereichen entwickeln und auch die Überzeugung haben, etwas zu gestalten statt von der Umwelt getrieben zu werden, ist Selbstwirksamkeit. Wer ständig nur reagiert, verliert seine Selbstwirksamkeit und wird zum Spielball. Das tut der Seele langfristig nicht gut.

Hoffnung:

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Dieser Spruch ist richtig und wichtig. Solange man lebt, will man einen Zielstreifen am Horizont erkennen und die Hoffnung auf etwas nicht verlieren. Besonders die Sinnhaftigkeit von Arbeit spielt eine wesentliche Rolle. Wer seine Arbeit als sinnvoll erlebt, identifiziert sich mit dem Aufgabengebiet. Hoffnung lässt diszipliniert ein Ziel anstreben. Wer keine Hoffnung mehr hat, hat sich selbst aufgeben. Lethargie ist das Ergebnis.

1 2
Share.