“Nutze die Macht des ersten Eindrucks”

Für Berufseinsteiger startet beinahe jeder Tag mit einer großen Herausforderung: der heimische Kleiderschrank. Denn die Wahl des richtigen Outfits kann entscheidend sein für das berufliche Vorankommen. Sabine Wießner, zertifizierte Kniggetrainerin, erläutert in high potential, worauf es beim Styling tatsächlich ankommt.

Anzug von René Lezard; (© 1999-2009) von RENÉ LEZARD

Kleider machen bekanntlich Leute. Dies gilt insbesondere für High Potentials, die gewillt sind, möglichst schnell die Karriereleiter zu erklimmen. Ihr Auftreten und ihr Outfit spielen neben der fachlichen Qualifikation eine ganz bedeutende Rolle. Vorankommen ist eine Frage von beidem: Kompetenz und Stil! Wenn Sie andere im Berufsleben von Ihrer eigenen Person, Ihrer Kompetenz, Ihrer Zuverlässigkeit oder von der Qualität der Produkte Ihres Unternehmens überzeugen wollen, so müssen Sie die Macht des ersten Eindrucks nutzen. Ihr Auftreten darf nicht im Widerspruch zum Produkt Ihres Unternehmens stehen.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass der optische Eindruck und die Stimme zu 90 Prozent über den ersten Eindruck entscheiden, wobei die fachliche Kompetenz nur sieben Prozent ausmacht. Diese Entscheidung fällt bereits nach etwa drei Sekunden. Kleidung war und ist bis heute eine Art Code. Die Redewendung „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance!“ zeigt deutlich, wie sehr es auf die richtige Kleidung ankommt.

Die Anzugjacke ist immer (!) im Stehen zu schließen

Doch wie genau sieht der „klassische Dresscode“ für Führungskräfte nun aus? Für Männer gelten einige „goldene Regeln“, die sie unbedingt beachten sollten: Beispielsweise sollten sie dunkle Anzüge in Anthrazit oder dunkelblau wählen, aber nicht in Schwarz. Die Anzugjacke ist immer (!) im Stehen zu schließen. Edle Lederschuhe mit Schnürung sollten gleich dunkel oder dunkler als der Anzug gehalten sein. Dunkle Socken sind unbedingt im Farbwert der Hose zu tragen.

Kurzärmlige Hemden zum Businessanzug sind unbedingt zu vermeiden. Das Hemd ist der hellste Punkt des Gesamtbildes. Die Spitze der gebundenen Krawatte endet kurz vor der Gürtelschnalle. Der richtige Gürtel rundet das Bild ab.

Outfit von René Lezard; (© 1999-2009) von RENÉ LEZARD

Frauen liegen beim Thema ­Businesskleidung mit einem ­Hosenanzug oder Kostüm immer richtig

Frauen liegen beim Thema Businesskleidung mit einem Kostüm, Hosenanzug oder Kleid mit Blazer immer richtig. Wenn sie sich für einen Rock oder ein Kleid entscheiden, so sollten sie darauf achten, dass die Länge klassisch knielang ist und sie immer Strümpfe in geschlossenen Schuhen tragen. Von der modernen Frau wird erwartet, dass sie gehobene Styles mit klaren Linien trägt, die nicht zu trendy, aber auch nicht langweilig sind. Kombinieren Sie zur edlen Klassik ein ausgefallenes, modisches Teil. Achten Sie dabei auf die richtigen Farbkombinationen und edle Accessoires. Investieren Sie in hochwertige Qualität, sowohl in edle Materialien als auch in gekonnte Schnitte. Bei Schmuck, Parfüm und Make-up gilt:  Weniger ist mehr!

Für Absolventen im Bereich Finanzen, Handel und Wirtschaftsprüfungsgesellschafen, gelten einige Besonderheiten. Gerade in beratenden Bereichen, wie Banken und Versicherungen, fällt auf, dass die männlichen Kollegen oft korrekt in Anzug und Kombinationen gekleidet sind, während die weiblichen Führungskräfte häufig „zu casual“ auftreten. Sie minimieren dadurch sofort ihre Kompetenz.

In von Männern dominierten Bereichen sollte das Outfit der Frauen ihrem Status angemessen sein und nicht die Weiblichkeit betonen. Kleiden Sie sich in Ihrem Job professionell, dann werden Sie auch so wahrgenommen. Unterstreichen Sie Ihre fachliche Qualifikation durch ein angemessenes Äußeres.

Auch bei der Farbwahl ist Vorsicht geboten: Im Business ist Rot die selbstbewussteste Farbe. Schwarz wirkt autoritär. Dunkle Farben lassen uns seriös und kompetent erscheinen, wobei beige elegant und freundlich wirkt. Je höher die Position, desto dunkler werden die Farbtöne.

Zu Beginn einer aufstrebenden Karriere gelingt „Understatement“ im Job mit sehr hochwertigen Stoffen, edlem Schmuck und beispielsweise mit einem exquisiten Füllfederhalter. Bleiben Sie diszipliniert geschmackvoll, das ist selbstbewusst! Ich empfehle Ihnen, sich bereits von Anfang an so zu kleiden, wie es Ihre Position von morgen verlangt.

Zur Frage der Bedeutung einer etwaigen Markenfixierung für die Karriere ist anzumerken,  dass Manager und Führungskraft immer Wert auf ein tadelloses Aussehen legen sollten. Kaufen Sie weniger, dafür sehr hochwertige Kleidungsstücke. Je dezenter, schlichter und dunkler, desto edler ist die Gesamtwirkung. Es spricht für Sie, wenn Sie sich nicht nur auf eine Marke festlegen, sondern Ihren eigenen Stil finden und mehrere Designer kombinieren. Bringen Sie Ihr eigenes Modebewusstsein ein.

Sabine Wießner
war nach ihrem Studium der ­Rechtswissenschaften als Bereichsjustitiarin und Partner Account Manager tätig. Inzwischen bietet sie als ­zertifizierte Kniggetrainerin in Seminaren Beratung in den Bereichen Business Etikette und Dresscode an.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in high potential, Ausgabe 3/2011.

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