Leistung muss sich lohnen? So ein Unsinn!!

Erzähle ich Unternehmern diese Geschichte, dann wollen sie zumeist ihr Leistungsprinzip retten. Drei Gegenargumente höre ich immer wieder. Gern möchte ich diese Gegenargumente beleuchten..

1. „Wenn ich Leistungsprinzip sage, dann meine ich ja das Marktwert- Nutzwertprinzip.“ 

– Diese Argumentation ist unzulässig, vor allem deshalb, weil die Definition des Leistungsprinzips akzeptiert wird. Bitte bedenken Sie in diesem Zusammenhang, dass das Leistungsprinzip eine idealtypische sozialistische Entlohnungsmethode darstellt, in der der Markt und der Nutzen überhaupt nicht vorkommen!

– Die Argumentation ist zusätzlich unehrlich, denn wer einen Begriff anders verwendet als gemeint, ist unehrlich. Schon Konfuzius sagte: Verliert eine Gesellschaft ihre wichtigen Begriffe, dann verliert sie ihre Freiheit! Wir sind intensiv dabei, unsere Freiheit zu verlieren. 

– Leistung und Nutzen haben äußerst wenig miteinander zu tun. Es gibt Menschen, die nutzen ihrem Chef ausschließlich dadurch, dass sie nichts leisten! Denken Sie nur an das Peter-Prinzip (der Mensch steigt solange auf, bis er die Stufe seiner Unfähigkeit erreicht hat.) . In der Werbung erleben wir nicht selten, dass Kreative sehr oft wenig leisten, jedoch enormen Nutzen stiften.  

– Große, hohe Leistungen werden schlechter bezahlt als geringe Leistungen. Nach dem Leistungsprinzip müsste ein Hilfsarbeiter, der  seine Sollvorgabe um 130 Prozent erfüllt mehr Lohn bekommen als der Abteilungsleiter oder Geschäftsführer, der sein eigenes Plansoll nur um 100 Prozent erfüllt.

2. „Wenn die Arbeit vergleichbar ist, dann gilt das Leistungsprinzip“

– Selbst im Akkord oder im Außendienst wird ein Mitarbeiter nicht nach dem Leistungsprinzip bezahlt. Wenn ein Arbeiter zum Beispiel 10 Glühbirnen in einer Stunde herstellt, dann kann der Unternehmer ihm nur so viel Geld geben, wie der Markt dafür hergibt. Sinken die Preise für Glühbirnen, dann muss entweder der Arbeiter mehr Glühbirnen in einer Stunde herstellen, damit er noch Anspruch auf seinen alten Lohn hat, oder er bekommt weniger Geld. Dabei hat er mehr geleistet!

– Wer von Leistungslohn spricht, spricht von einer Mystifikation, denn das Wort „Leistungslohn“ verschleiert den wahren Grund für das Gehalt: den Nutzen!  Es ist völlig gleichgültig, ob ein Außendienstler 50 Kunden besucht hat, er muss Vertragsabschlüsse abliefern. In der Versicherungsbranche zum Beispiel ist eine Lebensversicherung mehr Wert als eine Hausratversicherung. Es spielt keine Rolle, wie viel Leistung in dem jeweiligen Vertragsabschluss steckt. Die Provision richtet sich ausschließlich nach dem Nutzen der abgeschlossenen Versicherung. 

3. „Das Leistungsprinzip ist der Garant  für den sozialen Frieden.“

– Wie soll man einem Arbeiter klar machen, dass er weniger leistet als ein Angestellter? Wie wollen sie einem Hochofenarbeiter, klar machen, dass er weniger leistet als ein Boris Becker? Ich denke, das können wir ihm nicht klar machen. Der Hochofenarbeiter leistet viel mehr als Boris Becker!! Aber wer ist schon daran interessiert Tribünen um solch einen Hochofen aufzubauen,  Fernsehkameras dort zu installieren, und das Ganze im ersten Programm zu besten Sendezeit zu übertragen? Wir haben mehr Spaß daran, Boris Becker zuzuschauen. Die Tickets für den Tribünenplatz am Hochofen werden sich wahrscheinlich sehr schlecht verkaufen lassen.

– Erkläre ich das Nutzenprinzip, dann ist es für den Arbeiter wahrscheinlich leicht einzusehen, dass er etwa 70 Prozent des Nutzens, den er stiftet auch an mittelbarere oder unmittelbarere Entlohnung zurück bekommt, während ein Angestellter oder Geschäftsführer wahrscheinlich maximal 30 Prozent des Nutzens den er stiftet, auf seinem Konto als Gehalt wiederfindet. 

– Nehmen Sie den Streit um die Lohnanpassung der Gehälter im Osten Deutschlands. Dort wird sicher nicht weniger geleistet als im Westen. Nur waren die Unternehmer dort gezwungen Löhne zu zahlen, die sie mit den Arbeitsergebnissen im Markt nicht erwirtschaften konnten. 

– Das Leistungsprinzip sichert nicht den sozialen Frieden, es gefährdet den sozialen Frieden! Mittlerweile sind wir schon so dumm, dass wir als Krönung des Leistungsprinzips auf die verrückte Idee gekommen sind, Lohn dafür zu verlangen, dass wir in einem Unternehmen nur anwesend sind.  Wir wollen unsere Arbeitszeit, nicht den Nutzen bezahlt haben. 

Halten wir es zum Schluss vielleicht mit Bernhard Shaw, der einmal sagte: Menschen sind nur bereit für eine Sache zu sterben, die ihnen zureichend unklar ist.  Einen schönen Tag noch!


Ulf D. Posé

Ulf D. Posé

Experte für Unternehmens- und Vertriebskultur

Ulf D. Posé, Jahrgang 1947, ist freier Dozent für Dialektik und Führungslehre, Management- und Vertriebstrainer, Buchautor und Wirtschaftsjournalist. Seit 1968, dem Beginn seiner Tätigkeit als Hörfunk- und Fernsehjournalist, beriet er Politiker in Kommunikationsfragen.

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