Karriere um jeden Preis? Eine Frage der Ethik

Verbraucher spüren, wenn Mitarbeiter schlecht behandelt werden und strafen solche Arbeitgeber ab.

Zum Schluss gibt es die Interaktionskosten: Schlechte Absprachen, Doppelarbeiten und fehlende Abstimmung kosten in ethisch geführten Unternehmen ebenfalls weniger. Sie treten auch seltener auf, denn das Absicherungsverhalten wird teuer und aufwendig, wenn ich meinem Chef nicht wirklich über den Weg trauen kann. 

Wer über eine Karriere um jeden Preis nachdenkt, wird sich fragen lassen müssen, ob es ihm gelingt, in seinem beruflichen und privaten Umfeld ein Vertrauensklima herstellen zu können, bei dem die vorgenannten Kosten möglichst gering bleiben, und ob es ihm gelingt, sich jeden Morgen noch gerne im Spiegel anzuschauen.

Das übliche Gegenargument ist häufig: „Auch wer sich wie ein Schwein benimmt, kann sehr erfolgreich sein.“ Das stimmt sogar. Auch ein knallhart kalkulierender Discounter wie Schlecker, der mit seinen Mitarbeitern nicht gerade ethisch motiviert umgeht, kann eine lange Zeit erfolgreich sein. Das Wachstum wurde durch das schlechte Image, bezogen auf die Behandlung und Bezahlung von Mitarbeitern und Lieferanten, lange Zeit kaum beeinträchtigt. Besonders im Niedriglohnsektor wurde enormer Druck ausgeübt. Schlecker hat jedoch inzwischen schmerzlich erfahren, dass dies auf Dauer nicht gut geht. Auch wenn das Scheitern von Schlecker noch andere Gründe hat: 

Der Verbraucher spürt diesen Raubbau am Mitarbeiter und wehrt sich gegen solche unethischen Methoden. 

Als weiteres gutes Beispiel dient auch die Ölbohrinsel Brent Spar, dessen Versenkungsabsichten in der Nordsee durch den Eigner Shell zu einem ernormen Boykott von Seiten der Kunden führten. 

Der Trend in unserer Gesellschaft nicht ausschließlich auf ein Produkt zu schauen, sondern auch zu fragen, wie es hergestellt wird und darauf zu achten, wie ein Unternehmen geführt wird, hat zugenommen. Inzwischen entscheiden zirka 70 Prozent aller europäischen Konsumenten auch nach ethischen Kriterien, wenn sie ein Produkt kaufen. Fair trade ist erfolgreich. Als Beispiel dafür eignet sich Anita Roddick, die mit ihrer Kosmetikidee, nur biologisch einwandfreie Produkte in ihren body shops zu verkaufen, so viel Erfolg hatte, dass sie ihr Unternehmen für mehr als 180 Millionen Euro an L’Oréal verkaufen konnte.

„Auch wer sich wie ein Schwein benimmt, kann sehr erfolgreich sein.“

Was „karrieregeile“ Menschen vergessen, ist, dass es so etwas wie eine Grenzmoral gibt. Wer sich daneben benimmt, kann dies unentdeckt sicher eine Zeit lang erfolgreich tun, jedoch nicht auf Dauer. Dies gilt auch für Unternehmen: Die Grenzmoral zeigt das Verhältnis von moralischem Aufwand zum ökonomischen Ertrag auf. Die Grenzmoral hat zur Folge, dass bei Verstößen gegen das allgemeine Bewusstsein (exogene Moral) dieser Normenverstoß von außen geahndet wird. Diese Ahndung hat immer negative wirtschaftliche Auswirkungen auf das Unternehmen, sei es durch Konsumverzicht, Sanktionen oder auch nur durch einen Imageverlust. 

Versucht also ein zureichend marktmächtiges Unternehmen nach dem Prinzip „Moral lohnt sich!“ sein Image zu verbessern, indem es neben das Unternehmensziel des wirtschaftlichen Erfolgs die Unternehmensziele ökologische und gesellschaftliche Verantwortung stellt, um sich damit langfristig einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Mitbewerbern zu verschaffen, so erbringt es einen Moralaufwand, der sich langfristig „rentiert“, weil es sein Image verbessert und weil die Wettbewerber später mit einem höherem Aufwand nachziehen müssen. 

Wenn ich all das Vorgenannte zusammenfassen will, dann geht es am Ende für eine Karriere darum, ob es gelingt, ein Vertrauensklima aufzubauen. Und das gelingt mit unethischem Verhalten nun einmal nicht. Vertrauen erzeugt der Manager, der fachlich und ethisch kompetent, angemessen und zuverlässig handelt. Das ist leicht festzustellen. Mit der Frage: „Kann mein Mitarbeiter ohne Angst zu mir kommen, um mit mir über sein Versagen zu sprechen? Und tut er das auch?“ ist ein Vertrauensklima zureichend sicher auszumachen.

Die Verbindung von Moral beziehungsweise Ethik und Karriere erzeugt letztlich ein belastbares Vertrauensklima zwischen Führungskräften, Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten. Jemand, der Karriere mit ethischen Werten verbindet, wird seine Mitarbeiter immer als Menschen, als Personen führen. Damit baut er Vertrauensfelder auf, wodurch der Beitrag zur innerbetrieblichen Wertschöpfung größer ist, als wenn er mit Angst, Schrecken oder gar Terror führen würde. Und diese Führungspersönlichkeit ist erfolgreicher, gelassener, wird mit Konflikten besser fertig, meistert die Probleme gemeinsam mit ihren Angestellten und Arbeitern. Diese Führungspersönlichkeit hat Mitarbeiter und keine Gegenarbeiter. 

Der Autor Ulf D. Posé ist freier Dozent für Dialektik und Führungslehre, Managementtrainer, Buchautor und Wirtschaftsjournalist. Er begann seine Karriere als Hörfunk- und Fernsehjournalist. Seit 2003 ist er der Präsident des Ethikverbandes der Deutschen Wirtschaft e. V. und seit 2010 Präsident der Akademie des Senats der Wirtschaft e. V.. Posé äußert sich regelmäßig über Führungsdialektik und Führungsethik. 

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