„Generation Y“ wünscht sich „Freude an der Arbeit“

Durch den demografischen Wandel und die sich daraus ergebenden strukturellen Änderungen in der Gesellschaft verändert sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt, und der Kampf um qualifizierte Fachkräfte wird immer stärker (War for talents). Vor allem junge und gut ausgebildete Fachkräfte sind bereits heute und verstärkt zukünftig „Mangelware“. Wer ist jedoch die Generation, mit der die heutigen Personalverantwortlichen zu tun haben und zukünftig zu tun haben werden?

Von Annegret Zimmermann und Stephan Fischer

Generation Y sucht das Glück. Auch bei der Arbeit. Bild: David Niblack

Die sogenannte „Generation Y“, die nach 1980 geboren wurde, tickt ganz anders als die Generationen zuvor. In den Medien werden Thesen verbreitet wie: „Die Arbeitnehmergeneration unter 35 fordert von ihren Chefs viele Freiheiten – und will gleichzeitig Betreuung wie bei Mutti“,
aber auch „Spaß, Selbstverwirklichung und Yoga – Eine neue Generation revolutioniert den Arbeitsmarkt“

Sind diese Vorurteile begründet, hat ein Wandel der Werte und der Prioritäten zwischen den Generationen stattgefunden? Welche Bedürfnisse und Wünsche hat die „Generation Y“? 

Diesen und weiteren Fragen ging ein studentisches Forschungsprojekt an der Hochschule Pforzheim nach. Am Beginn stand eine Open Space Veranstaltung mit 60 Studierenden aus verschiedenen Studiengängen. Dieses Format bot, trotz eines fest vorgegebenen und moderierten Ablaufs, sowie Leitfragen, den Studierenden sehr viele offene Möglichkeiten, sich Gedanken über ihre zukünftige Arbeitswelt zu machen. Basierend auf den Ergebnissen der Open Space Veranstaltung haben sich 413 Studierende aller drei Fakultäten an der online Befragung beteiligt. Die Ergebnisse bestätigen die veränderte Haltung der „Generation Y“ und die daraus resultierenden Veränderungen, auf welche die Unternehmen im Zeichen des Fachkräftemangels reagieren müssen. Unternehmen und Personalabteilungen sollten die Bedürfnisse und Wünsche der kommenden Generation kennen, um langfristig qualifiziertes Personal zu rekrutieren und zu binden und so wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Ergebnisse der Untersuchung widerlegen jedoch auch Ansichten, die in der Presse propagiert werden.

An der Onlinebefragung haben überwiegend Studierende aus den Bachelor-Programmen teilgenommen.  

Verteilung auf Fakultäten

Die Gesamtverteilung auf die Fakultäten der Hochschule Pforzheim gestaltet sich wie folgt: 265 Studierende aus der Fakultät Wirtschaft und Recht, 95 Studierende aus der Fakultät für Technik und 40 Studierende aus der Fakultät für Gestaltung. 

Welche Erwartungen und Wünsche hat die „Generation Y“ an Ihre zukünftigen Arbeitgeber? 

Die neue Generation hat andere Vorstellung wie, wann und wie lange sie arbeiten will. 63% der Befragten – vor allem die Studierenden der Betriebswirtschaften, gefolgt von den Gestaltern – geben an, dass ihnen eine individuelle Gestaltung der Arbeitszeit sehr wichtig sei. Auch im Hinblick auf den Arbeitsort und die Karriereplanung fordert die „Generation Y“ individuelle Lösungen. Dies ist 54% der Studierenden sehr wichtig. Vor allem für die Studierenden der Gestaltung (68%) ist die individuelle Gestaltung des Arbeitsortes sehr wichtig. Eine individuelle Karriereplanung wird von 59% der Studierenden der Technik als sehr wichtig erachtet.

Entgegen vieler Meinungen ist 40% der Studierenden ein Arbeitsplatz vor Ort im Unternehmen „sehr wichtig“, weitere 45% bewerten dies als „wichtig“. Gleichzeitig erwartet mehr als die Hälfte der zukünftigen Arbeitnehmer, auch im Home-Office arbeiten zu können. 

Mit knapp 80% ist der „Generation Y“ das Teamgefühl und der Austausch mit Kollegen und Vorgesetzten sehr wichtig. Als weniger wichtig oder auch unwichtig werden neue Kommunikationsformen wie Twitter oder auch YouTube bewertet. Entgegen vieler Meinungen sehen die Studierenden Soziale Netzwerke in ihrem Berufsleben als tendenziell weniger wichtig an. Xing stellt hier eine Ausnahme dar, das von 20% der Studierenden mit „sehr wichtig“ und 34% mit „wichtig“ für den Beruf eingestuft wird.

Wertewandel

Ein Wertewandel in der „Generation Y“ lässt sich mit der Untersuchung an unserer Hochschule bestätigen. Die jetzige und kommende Generation legt nicht mehr unbedingt Wert auf eine steile Karriere und ein hohes Gehalt. Es stehen Punkte wie die Freude an der Arbeit, die Work-Life-Balance und Jobinhalte im Vordergrund. Am allerwichtigsten ist den Befragten mit 88% die Freude an der Arbeit, gefolgt von der Work-Life-Balance mit 78% und den Jobinhalten mit 65%. Das Gehalt wird nicht als unwichtig eingestuft, hat jedoch keinesfalls Priorität 1! Auch die Punkte „Verantwortung haben“ und „Macht haben“ werden als eher unwichtig eingestuft. 

Die Generation von morgen legt Wert auf den im Unternehmen gepflegten Führungsstil. Sie möchten selbständig und flexibel arbeiten können. Vorwiegend Studierenden der Technik und der Betriebswirtschaft legen Wert auf selbständiges und flexibles Arbeiten. Sie möchten nicht ständig kontrolliert werden und erwarten Vertrauensarbeitszeiten. 

Auch das Thema Familie spielt für die „Generation Y“ eine große Rolle. Viele betonen die Work-Life-Balance und sind nicht bereit, für ein hohes Gehalt darauf zu verzichten. Bei der Planung von Auslandsaufenthalten erwartet diese Generation eine Berücksichtigung der Familie durch das Unternehmen. 84% der Befragten sehen die Unternehmen beim Thema Kinderbetreuung in der Verantwortung, 78% aber auch die Politik.

Dem Wunsch der Unternehmen nach flexiblen Arbeitnehmern steht die „Generation Y“ nicht negativ entgegen. Die meisten Studierenden der Betriebswirtschaft möchten zukünftig eine gewisse Zeit im Ausland arbeiten und erwarten von ihrem Arbeitgeber, dass ihnen dies ermöglicht wird. Jedoch ist dieser Wunsch auf eine gewisse Zeit beschränkt, nach dieser Zeit möchten die zukünftigen Arbeitnehmer die Chance erhalten, wieder nach Deutschland zurückkommen und einen festen Arbeitsplatz im Unternehmen einzunehmen. Auch Studierende der technischen Studiengänge möchten im Ausland arbeiten, jedoch tendenziell weniger als Studierende der BWL-Studiengänge. Studierenden der Gestaltung messen dem Thema Ausland zwar ebenfalls eine Bedeutung zu, diese ist jedoch im Vergleich zu den Studierenden der anderen Fakultäten geringer. 

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