Ein neues Verständnis von Qualifizierung

Michael Vos gründete die Matrix Communications AG im Jahr 2006.

An welcher Stelle ist das denn der Fall? 

Wir brauchen ein anderes Verständnis von Qualifizierung. Ich finde, dass der formale Abschluss im Verhältnis zur Persönlichkeit des Menschen zu stark gewichtet wird. Was jemand studiert, welche Noten er erreicht, wie wenig Zeit er dafür gebraucht und wie viele Praktika er eingeschoben hat – diesen Dingen wird zu viel Bedeutung beigemessen. In den meisten Fällen entscheiden sie sogar darüber, ob jemand überhaupt eine Chance hat, einen Job zu bekommen. Un sere Gesellschaft vergeudet sehr viel Talent.

Was wäre Ihre Alternative zur bisherigen Recruitingpraxis? 

Formalien dienen doch oft nur dazu, sich abzusichern. Ein Personalverantwortlicher wird kaum einen Studienabbrecher einstellen, denn wenn diese Person die Erwartungen nicht erfüllt, ist der Schuldige sofort gefunden. Wir brauchen für die Zukunft weniger Angst und Formalismus und mehr Mut in Bezug auf die individuelle Persönlichkeit eines Menschen. 

Wenn Unternehmen auf junge Menschen offener und mutiger zugehen, wird sich dies auch für die Arbeitgeber auszahlen. Das bedeutet aber auch, eine andere Fehlerkultur zuzulassen: Nur wenn die Unternehmen zu ihren eigenen Fehlern stehen und den Mitarbeitern erlauben, Fehler zu machen und daraus zu lernen, werden sich leidenschaftliche und motivierte Kollegen entfalten können.

Wie zeigt sich Ihre Einstellung in den Anforderungsprofilen von Matrix Communications an neue Mitarbeiter? 

Ohne eine hohe Affinität zum Computer und sehr gutes Englisch geht bei uns gar nichts. Ob jemand kommunikationsstark ist, strukturiert arbeiten kann und auch in Stresssituationen souverän bleibt, zeigt ein Hochschulzeugnis nur bedingt. Die Projektleiter bei Matrix Communications müssen deshalb auch nicht zwingend Betriebswirtschaftler sein, sondern können auch Geisteswissenschaftler mit Begeisterung für Sprache und Inhalte sein. Einer unserer Projektleiter ist beispielsweise Theologe und beherrscht seinen Job außerordentlich gut. Wir fragen, was jemand kann und was sie oder er erreichen will – und nicht danach, wie perfekt seine Vita auf dem Papier ist. Für uns ist die Geschichte hinter dem CV entscheidend.



„Alleine in unserer Münchner Mannschaft arbeiten Kollegen mit 14 verschiedenen Nationalitäten. Bei uns ist alles irgendwie international und die unterschiedliche Herkunft der Kollegen gibt dem Unternehmen sehr viel.“



Verantwortungsvolle Aufgaben wie die Projektleitung werden im Verständnis von Kandidaten oft mit Management gleichgesetzt, weswegen Geisteswissenschaftler sich nicht angesprochen fühlen.

Sind daran die Kandidaten schuld? Oder werden sie nicht viel zu oft durch Stellenbeschreibungen abgeschreckt, in denen Anforderungen gestellt werden, die kein Mensch erfüllen kann?


Sagen Sie es mir. 

Arbeitgeber träumen vom unternehmerisch denkenden, hochintelligenten, motivierten, praxiserfahrenen und loyalen Mitarbeiter, der am besten noch jung, flexibel, fleißig, nie krank ist und wenig verdienen möchte. Ich wundere mich immer wieder, wenn ich im Jahr 2014 noch Stellenausschreibungen lese, aus denen genau diese Erwartungshaltung spricht. Mit einem solchen Anspruch darf man sich nicht wundern, wenn Stellen nicht besetzt werden können.


Das, was das Recruiting verspricht, muss natürlich nachher im Unternehmen standhalten. Wie sorgen Sie dafür? 

Mit derzeit rund 50 Mitarbeitern ist die interne Kommunikation sehr einfach: Es gibt keine Vorzimmer, alle Türen sind immer offen und jeder darf kritisieren – so lange es nicht persönlich ist – und loben. Transparenz und Verantwortungsdelegation gehören zu den Erfolgsfaktoren unseres Unternehmens. Dies führt dazu, dass alle, die wollen, gefördert, aber auch gefordert werden. Sehen Sie, als Dienstleistungsunternehmen leben wir ausschließlich von der Arbeitskraft und Kreativität unserer Mitarbeiter, deswegen ist es für uns selbstverständlich, ihren Bedürfnissen stets offen  zu begegnen.

Wer Vielfalt im Unternehmen will, muss sich bei heterogenen Teams doch auch auf völlig unterschiedliche Erwartungen hinsichtlich der Zeit, des Ortes und der Art der Arbeitsleistung einstellen. 

Nicht doch, unsere Firma ist kein ‘Ponyhof’. Alle Kollegen müssen zu der Wertschöpfung beitragen und stimmen den Rahmen dafür auch in regelmäßigen Abständen mit ihren Vorgesetzen ab, sodass eine klare Erwartungshaltung in beide Richtungen existiert. Die Geschäftsleitung gibt top-down die strategische Ausrichtung vor, die Kollegen dürfen dies relativ frei bottom-up ausgestalten. Wir betreuen über 300 Kunden bei ihrer internationalen Kommunikation, da haben wir unendlich viele Möglichkeiten, die Arbeit so aufzuteilen, dass jeder seine Leistung auch so bringen kann, wie es seinem Naturell entspricht. Tugenden wie Gründlichkeit oder Vertraulichkeit sind bei der Art und Menge an Daten, die wir verarbeiten, Grundvoraussetzung. Fleiß, Kreativität und Kommunikationsgeschick sind drei Bausteine, die man braucht, um bei uns erfolgreich zu sein – das jeweilige Verhältnis dieser Bausteine darf sich bei uns allerdings jeder Mitarbeiter selbst ‘mischen’.

Karriere bei Matrix: www.matrix-ag.com

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