Design für die mobile Zukunft

Mit seinem Entwurf eines futuristischen Unterwasserfahrzeugs hat es der Industriedesigner Daniel Zingler auf die VDA Design Award Ausstellung 2013 im Rahmen der IAA geschafft. Wir haben ihn zu seinem Projekt und gutem Design an sich befragt.

Design für die mobile Zukunft
Deep ist ein Unterwasserfahrzeug. Schwimmen kann es aber nicht. © Daniel Zingler

 

Herr Zingler, warum wollten Sie ein Fahrzeug für die Mobilität zwischen Unterwasserstationen entwerfen?
Die Menschheit wird sich in mittlerer Zukunft immer stärker in unwirtliche Gegenden begeben müssen. Unser bisheriger Lebensraum ist erschöpft. Alternativen können im All, am Pol, oder in der Tiefsee sein. Dabei scheint es naheliegend, dass wir uns wesentlich stärker mit extremen Mobilitätsituationen befassen müssen. Besonders spannend finde ich hier den Kontrast zwischen dem Mikrokosmos, der uns als Überlebenszelle dient, und der Naturgewalt um ihn herum. Ich selbst wollte mich mit der Tiefsee befassen, weil sie so nah und doch so unbekannt ist.

 

Was sind die Finessen von Deep?
Ich habe zwar ein U-Boot gestaltet, aber es kann nicht schwimmen, sondern fährt auf Rädern. Die Überlegung dahinter war, ein möglichst günstiges Nutzfahrzeug zu entwerfen. Ein U-Boot benötigt Antrieb, Steuerruder und Trimmtanks. Wenn eines davon ausfällt, liegt es hilflos auf dem Boden. Zudem ist die Schwimmfähigkeit wenig nützlich, wenn ich mich auf relativ ebenem Tiefseeboden bewege. Ich habe also zwei konventionelle Antriebssysteme verwendet, die sich ergänzen: einen Wasserstrahlantrieb und angetriebene Räder. Die Fortbewegung stelle ich mir wie bei einem startenden Wasservogel vor.

Können Sie das näher ausführen?
Deep berührt den Boden nur leicht, den größten Teil der Strecke gleitet es knapp darüber und stößt sich gelegentlich etwas ab. So wird auch die Bodenerosion minimiert. Wichtig sind die extremen Bedingungen in der Tiefsee. Bei einer Tonne Druck auf jedem Quadratzentimeter kann niemand aussteigen, um den Reifen zu wechseln. So sind alle beweglichen Teile in den Rädern selbst und im Triebwerk untergebracht, beides kann ferngesteuert modular entnommen und gewartet werden.

Wie gefällt Ihnen das Fahrzeugdesign der Hersteller auf der IAA?
Tendenziell habe ich das Gefühl, dass die Gestaltung im Rahmen der aerodynamischen Möglichkeiten immer extremer wird, was mir natürlich gefällt. Als Designer ist mir das Herz bei Renault aufgegangen, hier wurden gleich mehrere Prototypen präsentiert, die alle auf ihre Art ausgefallen und eigenständig waren. Dagegen fand ich jedoch die Serienrenaults umso blasser. Der viel gepriesene I3 war für mich eine echte Enttäuschung. Wenn man von neuer, urbaner Mobilität spricht, kann ein Auto mit dem Footprint eines Oberklassemodells eigentlich nicht ernstgemeint sein. Ich sehe und bestaune die vielen innovativen Details an diesem Auto, aber aus der Entfernung wirkt es wie ein herkömmlicher Verbrenner – und nicht einmal wie ein kleiner. So verkommt es zu einem Luxusaccessoire im grünen Mäntelchen.

Haben Sie weitere Ideen zu unserer Mobilität in der Zukunft?
Ich denke, dass die EDV immer weiter in unsere Systeme integriert wird, wodurch diese noch komfortabler und effizienter werden. Außerdem glaube ich an eine Renaissance des ÖPNV. Ansonsten wird sich die Mobilität global recht heterogen entwickeln. Meiner Meinung nach muss es aber nicht zwangsläufig grundlegend neue Produkte geben. Unserer Gesellschaft ist Mobilität jedoch so wichtig, dass sie Opfer in Kauf nehmen wird, um sie zu erhalten.

Chris Bangle, Ex-Designer bei BMW, sagte kürzlich, dass Autohersteller ein Problem hätten: ‘Junge Menschen interessieren sich kaum noch für Autos.’ Wie groß ist die Begeisterung Ihrer Generation?
Ich bin Baujahr 1980. Die Generation, auf die Sie anspielen, ist noch etwas jünger. Es gibt hier starke Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Gebieten. Während ein Auto in Berlin schnell zum Klotz am Bein wird, bedeutet es in Vorpommern den einzigen Weg in die Freiheit. Aber man muss klar sagen, dass das Auto als verklärtes Symbol von Wohlstand und Macht an Boden verliert.

Bangle sieht in diesem Problem gar das Überleben der ganzen Autoindustrie gefährdet. Wie stellen Sie sich die Mobilität von morgen vor und welchen Platz darin hat die Autoindustrie von heute?
Der Wertewandel um die Ikone Auto wird deutlich, aber man sollte davor keine Angst haben, sondern die Möglichkeiten sehen. Momentan lassen sich in Asien und auf der ganzen Welt deutsche Autos hervorragend verkaufen – eben weil es deutsche Autos sind. Das wird sich mit der Zeit wohl ändern. Das bedeutet aber auch, dass man sich den internationalen Märkten anpassen muss, woraus wiederum eine größere Vielfalt resultiert. Obwohl fast alle großen Hersteller in den letzten Jahrzehnten ein Baukastensystem entwickelt haben, ist die Zahl der Fahrzeuggattungen förmlich explodiert. Dieser Trend wird sich hoffentlich fortsetzen, auch im Hinblick auf die unterschiedlichen Anforderungen in verschiedenen Regionen. Für mich als Designer wird die Aufgabe sein, das Produkt in Zukunft besser an seinen Einsatz anzupassen – interessanter, nicht schlechter.

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