Der Weg zum Wirtschaftsprüfer

Wer in eine nahezu krisensichere Branche im Anschluss an sein Studium starten will, sollte in die Wirtschaftsprüfung gehen. Im Zuge des globalen Wandels wird die Kompetenz von Wirtschaftsprüfern immer unentbehrlicher. Wie sich der Weg zum Wirtschaftsprüfer darstellen kann erklärt Wiebke Fröhlich, Geschäftsstellenleiterin des Masterstudiengangs „MAFT“ der Fachhochschule Münster und der Hochschule Osnabrück.

Um Wirtschaftsprüfer zu werden kann man verschiedene Wege einschlagen. Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung als Wirtschaftsprüfer ist der Nachweis einer abgeschlossenen Hochschulausbildung. Der Abschluss einer bestimmten Studienrichtung wird dabei nicht verlangt. Da das Wirtschaftsprüfungsexamen jedoch einen hohen Kenntnisstand im Bereich der Wirtschaftswissenschaften erfordert, erleichtert eine entsprechende Spezialisierung das Vorankommen. Somit ist ein wirtschaftswissenschaftliches Studium in aller Regel der erste Schritt für alle, die den Beruf des Wirtschaftsprüfers anstreben. Mittlerweile bieten zahlreiche Hochschulen spezielle Module an, die sich eingehend mit den Aufgabenbereichen der Wirtschaftsprüfung befassen.

Der herkömmliche Weg zum Wirtschaftsprüfer verläuft demnach über ein Hochschulstudium. Bachelorabsolventen können direkt in eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eintreten und nach einer vierjährigen Praxiszeit das Wirtschaftsprüferexamen antreten. Die meistens Absolventen ziehen es jedoch vor, zunächst ein Masterstudium anzuschließen. Dadurch sind Sie fachlich besser gerüstet, sowohl für die Praxis als auch für das anschließende Examen. Nach dem Masterabschluss ist noch eine derijährige Praxistätigkeit notwendig, um zum Wirtschaftsprüferexamen zugelassen zu werden. In beiden Fällen müssen sich die Examenskandidaten neben Ihrer beruflichen Tätigkeit auf die umfangreichen Prüfungen im Wirtschaftsprüferexamen (sieben schriftliche Klausuren) vorbereiten. Meist werden dazu nebenberuflich Crashkurse oder Fernlehrgänge belegt.

Alternativ können sich die für den Beruf des Wirtschaftsprüfers Interessierten direkt einen Bachelor- oder Masterstudiengang auswählen, in dem sie optimal auf die Bereiche der Wirtschaftsprüfung vorbereitet werden und der zusätzlich noch eine Anerkennung einiger Prüfungen auf das Wirtschaftsprüfungsexamen erlaubt. So bieten einige Hochschulen Studiengänge an, in denen Prüfungen einzelnen Studienleistungen für das Wirtschaftsprüfungsexamen nach § 13 b WPO als gleichwertig anerkannt sind. Der Schwerpunkt dieser Studiengänge liegt jedoch nur auf den anrechenbaren Studienleistungen (BWL, VWL und/oder Wirtschaftsrecht). Ein Studium nach § 13 b WPO bereitet nicht vollumfänglich auf das Berufsexamen vor.

Erste Hochschulen bieten Masterstudiengänge nach § 8 a WPO an, die zielgerichtet für den Beruf des Wirtschaftsprüfers ausbilden. Diese Studiengänge unterliegen einer besonderen Akkreditierung, bei der überprüft wird, ob sie für die Ausbildung von Wirtschaftsprüfern besonders geeignet sind.

So auch die Hochschule Osnabrück und die Fachhochschule Münster. Über fünf Semester erstreckt sich der gemeinsam ausgestaltete Masterstudiengang Auditing, Finance and Taxation mit dem Ziel, Studierende erfolgreich durch das Studium und das sich anschließende Wirtschaftsprüfungsexamen zu führen. Das Curriculum ist ganz auf die Bedürfnisse zukünftiger Wirtschaftsprüfer abgestimmt. Selbst die Kommunikation mit Mandanten, Finanzämtern und Finanzgerichten wird trainiert. Seit dem Wintersemester 2006/2007 haben zwischenzeitlich mehrere Studiengruppen das Studium beendet und zahlreiche Absolventen das Wirtschaftsprüfungsexamen bestanden. Zum Sommersemester 2015 wird wieder eine neue Studiengruppe aufgenommen.

Durch ein Studium nach § 8 a WPO werden die Studierenden vollumfänglich auf die Anforderungen im Wirtschaftsprüferexamen vorbereitet, da das Studium alle relevanten Themenschwerpunkte berücksichtigt. Die Masterabsolventen können direkt im Anschluss Ihrers Masterstudiums das Wirtschaftsprüferexamen antreten. Drei der sieben Prüfungsleistungen des Wirtschaftsprüferexamens können sich Masterabsolventen nach § 8 a WPO anrechnen lassen. Um als Wirtschaftsprüfer bestellt zu werden ist dann noch eine Praxiszeit von 2 ½ Jahren erforderlich, wobei die Praxistätigkeit, die während des Studiums erfolgt, angerechnet werden kann

Die Wirtschaftsprüfung gilt als eine nahezu krisenfeste Branche. Denn auch in Zukunft, unabhängig von Krisen- oder Wachstumszeiten, müssen große Unternehmen ihre Bilanzen von Wirtschaftsprüfern durchleuchten und testieren lassen. Durch die permanenten Veränderungen der Gesetzgebung und der Rechtsprechung, die Weiterentwicklung der Informationstechnologien und die Anwendung internationaler Regeln der Rechnungslegung nimmt der Bedarf an hochqualifiziertem Nachwuchs zu. Zudem ist das Einsatzfeld eines Wirtschaftsprüfers nicht nur auf die Prüfung beschränkt, sonder erstreckt sich über die Steuerberatung, die Tätigkeit als Gutachter bis hin zum Unternehmensberater.

Nach einer Statistik der Wirtschaftsprüferkammer befinden sich in den nächsten zehn Jahren mehr als ein Viertel der derzeitig tätigen Wirtschaftsprüfer im Renteneintrittsalter, womit die Berufsaussichten bei gleichzeitig guten Verdienstmöglichkeiten weiter steigen. Wer dann noch im Beruf hohen Einsatz, Gedankenschnelligkeit und ein entsprechendes Auftreten vorweisen kann, dem stehen viele Stufen auf der Karriereleiter offen.

In der Wirtschaftsprüfung gibt es relativ feste Karrierestufen, die man im Laufe des Berufslebens durchläuft. Beginnend mit der Tätigkeit als Wirtschaftsprüfungsassistent als Berufseinstieg nach dem Studium kann nach wenigen Jahren bereits die nächste Stufe auf der Karriereleiter erreicht werden. Als Senior oder Prüfungsleiter können bereits eigenverantwortliche Planungen von Prüfungsaufträgen übernommen und jüngere Wirtschaftsprüfungsassistenten angeleitet werden. Die Voraussetzung für die Beförderung zum Manager ist das Bestehen des Wirtschaftsprüfungsexamens. Die Personalverantwortung steigt, da mehrere Prüfungsaufträge und damit auch mehrere Teams verantwortet werden. Die Berufung zum Partner wird besonders erfolgreichen und meist langjährig beschäftigten Wirtschaftsprüfern zuteil. Als Partner einer Gesellschaft trägt man die Verantwortung für das Prüfungsergebnis und das Testat bei einem Mandanten.

Ob man seinen Karriereweg bei einem großen oder kleinen Unternehmen einschlägt ist natürlich Geschmackssache. Für alle gilt, dass die Berufsaussichten eines Wirtschaftsprüfers sehr gut und auch finanziell attraktiv sind. Daran wird sich so schnell nichts ändern, denn die Dynamik durch ständige Änderungen und Neuregelungen, Rechtsprechung und Gesetzgebung, internationale Regeln und Rechnungslegung hält an – also ein echter Wachstumsmarkt für Einsteiger. 


Autorin:  

Wiebke Fröhlich, Diplomkauffrau, Geschäftsstellenleiterin der Masterstudiengangs Auditing, Finance and Taxation der Fachhochschule Münster und Hochschule Osnabrück

Mehr Informationen unter www.maft.de.

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