Das Praktikum im Studium

Wer studiert, sammelt an der Hochschule zunächst theoretisches Wissen. Damit die graue Theorie angewendet werden kann, ist in vielen Studiengängen das Praktikum verpflichtend. Aber wie lässt es sich seit der Bologna-Reform am besten in den studentischen Alltag einfügen?

Faktor Zeit: Es ist schwer, ein Praktikum in ein ohnehin straffes Studium zu integrieren. Tun muss man es aber in jedem Fall.

Gleichwohl der momentane Arbeitsmarkt zeigt, dass Fachkräfte händeringend gesucht werden, ist nicht jeder Student automatisch eine Fachkraft. Ausschlaggebend ist und bleibt künftig die praktische Erfahrung. Die Herausforderung für Studenten selbst ist es, genügend Praxisnähe bereits im Studium zu haben – natürlich über ein entsprechendes Praktikum. 

Ein weiterer Vorteil von dieser praktischen Arbeit ist überdies hinaus, dass der Student für sich selbst eines herausfinden kann: Möchte ich später einen Beruf in diesem Bereich ergreifen, oder nicht?

Im Studium gibt es für Praktika genau zwei Optionen: Das Pflichtpraktikum und freiwillige Praktika. 

Das Pflichtpraktikum: 

Sowohl im Master- als auch im Bachelor-Studium ist in den meisten Studiengängen ein Pflichtpraktikum vorgesehen. Während in den naturwissenschaftlichen Bereichen die Studierenden häufig den Vorteil haben, dass sich die Praktika bereits in den jeweiligen Wochenplan zwischen Seminaren und Vorlesungen einfügen, stehen wiederum Andere vor der großen Frage: Wann, wie und vor allem wo mache ich mein Praktikum?

Die goldene Regel ist, dass das Praktikum bei einem Unternehmen oder einer Organisation geleistet wird, die der Fachrichtung entspricht – vor allem, wenn es um das Pflichtpraktikum geht. Einem Studenten der Betriebswirtschaftslehre nutzt beispielsweise eine Praktikantenstelle als Bademeister nichts für seine Karriere. Daher ist es ratsam, wenn sich der Student vorab genau über seine Möglichkeiten informiert. 

Ebenfalls spielt der Zeitpunkt eine entscheidende Rolle. In vielen Studiengängen wird empfohlen, das Praktikum zwischen der Vorlesungszeit zu machen. In den Studienverlaufsplänen steht dann zum Beispiel „Praktikum zwischen 2. und 3. Semester“. Inwiefern sich an diesen konkreten Verlaufsplan gehalten werden muss und dieser Zeitraum für das Praktikum zu wählen ist, gilt es mit dem Prüfungsamt abzusprechen. Es bietet sich jedoch an, seine Praktikumszeit auf die Semesterferien zu verlegen. So bedarf es keiner hektischen Planung zwischen der Zeit im Unternehmen und der in der Uni. 

Wenn der Zeitpunkt sowie die potenziellen Unternehmen feststehen, geht es an die Bewerbungen. Vor geraumer Zeit genügte es, in den Unternehmen anzurufen und zu fragen, ob eine Stelle als Praktikant frei ist und wann dort angefangen werden könnte. Mittlerweile ist die Bewerbung um ein Praktikum umfangreicher, ebenso wie die Auswahlverfahren für die potenziellen Praktikanten. Daher gilt es ebenfalls an dieser Stelle, sich rechtzeitig zu bewerben. Zum Beispiel: Wer bereits zu Beginn des Studiums weiß, dass das Pflichtpraktikum zwischen dem 2. und 3. Semester stattfinden soll, bewirbt sich am besten im ersten Semester. 

Gleiches gilt für diejenigen, die ihr Praktikum im Ausland absolvieren möchten. Gerade hier ist eine rechtzeitige sowie gründliche Planung das A und O!

Überdies müssen folgende Faktoren in eurer Bewerbung definitiv vorhanden sein: Die Hochschule sowie der Studiengang, den ihr belegt, müssen genannt werden; der Zeitraum, in dem ihr als Praktikant zur Verfügung steht; eure Motivation, genau bei diesem Unternehmen anzufangen. Wenn das Anschreiben diese Punkte enthält, dürfen natürlich weder ein Deckblatt, der Lebenslauf, noch eure bisherigen Zeugnisse fehlen. Wenn es gewünscht ist, oder besonders auf die Motivation für die Praktikumsstelle eingegangen werden will, empfiehlt sich überdies ein zusätzliches Motivationsschreiben. 

Besonders wichtig ist: Versucht von gängigen Mustern Abstand zu nehmen und nutzt nicht ein Anschreiben für alle Unternehmen! Ihr seid Studenten. Benutzt den Kopf zum Denken und werdet selbst kreativ!

Ein weiterer kleiner Tipp, wenn ihr in einem Studiengang seid, in dem während der Semesterferien die Zeit für das Schreiben der Hausarbeiten vorgesehen ist: Dozenten nehmen mit der Abgabefrist Rücksicht auf Praktikanten, insofern das Praktikum bescheinigt werden kann. Das heißt, dass die gängige Frist von sechs bis acht Wochen an das Ende der Praktikumszeit gesetzt wird und dadurch noch in Ruhe geschrieben werden kann. Nehmt ein solches Angebot in Anspruch! Denn wer hat nach einem mindestens 8-Stunden-Tag noch die Kraft in die Bibliothek zu gehen und nachhaltig zu arbeiten?

Das freiwillige Praktikum: 

In diesem Fall seid ihr ungebunden in der Planung des Praktikums. Zu bedenken ist jedoch, dass es sich um ein Praktikum handelt, welches auf freiwilliger Basis stattfindet. Dafür gibt es keine ECTS-Punkte, keine besondere Leistungsbescheinigung, sondern meistens „nur“ Erfahrung und ein Arbeitszeugnis.

Soll heißen: Es bringt nichts, wenn im Endeffekt ein großes Repertoire an Erfahrungen vorzuzeigen ist, jedoch die Sache mit dem Studieren nicht so wirklich funktioniert hat. Dementsprechend ist es optimal, wenn das Praktikum in den Semesterferien stattfinden kann. Je nachdem, wie der Betrieb und der Stundenplan strukturiert sind, gibt es allerdings noch die zweite Option: Das Praktikum ist auf einer geringen Stundenbasis, sodass ihr die Zeit im Betrieb um eure Vorlesungen und Seminare herum planen könnt. 

Es gilt noch etwas zu bedenken: Klasse statt Masse! Für eure Karriere ist es ausschlaggebend zu zeigen, dass ihr von euch aus Erfahrungen gesammelt habt und euch in dem jeweiligen Fachgebiet engagiert. Wer jedoch 10 verschiedene Praktika in möglichst unterschiedlichen Bereichen macht, zeigt letzten Endes Unentschlossenheit. Für einen Personaler, der nach dem Abschluss eure Bewerbung in der Hand hält, heißt das, dass ihr euch nicht schlüssig seid und bereits nach drei Monaten die Kündigung einreicht. 

Das bedeutet für euch: Plant genau, wann ihr welches Praktikum machen möchtet! Vor allem aber plant genau, aus welchen Gründen ihr das Praktikum anstrebt.

Wer noch weitere Tipps und Tricks rund um das Thema Studium und Praktikum haben möchte, der kann sich einmal auf Karriere Guru umsehen!

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