Autofahren auf sechs Beinen

Ein einzigartiges Bewegungssystem und hochauflösende 3-D-Visualisierung machen den dynamischen Fahrsimulator des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zu einer der leistungsstärksten Anlagen dieser Art in Deutschland.

­­­Der Fahrer sitzt in einem roten VW-Golf, tritt Gas- und Bremspedal, hört Umgebungs- und Fahrzeuggeräusche, sieht um sich herum Straße und Landschaft, spürt die Bewegung des Autos in der Kurve und beim Bremsen ? und nimmt doch nicht am Verkehrsgeschehen teil.  Er sitzt in einem der leistungsstärkstenĠdynamischen Fahrsimulatoren Deutschlands. Die Anlage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) dient dazu, Fahrverhalten zu erforschen und Assistenzsysteme in einem späten Entwicklungsstadium schnell, sicher und kostengünstig zu erproben.

 Die Automobilindustrie beeinflusst viele Bereiche der industriellen Produktion und treibt neue Technologien

Das Fahrgefühl einer Autofahrt vermittelt die Anlage täuschend echt. Bei der Hexapod-Plattform hängt die Kabine weltweit erstmals unterhalb der oberen Gelenke und ist dadurch besonders beweglich. Sechs hydraulisch angetriebene Beine bewegen sieben Tonnen Gewicht mit einer Geschwindigkeit von bis zu zwei Metern pro Sekunde.

Die Drehgeschwindigkeit beträgt bis zu 50 Grad pro Sekunde. Die Umgebung stellt ein hochauflösendes Projektionssystem detailgetreu dar: In einem Winkel von 270 Grad hat der Fahrer ein breites Blickfeld nach vorne und zu den Seiten. Sogar beim Blick in die Rück- und Seitenspiegel, in die LC-Displays eingesetzt wurden, sieht er simulierte Szenarien.

Die Simulationen bereitet Timo Krehle (Foto oben rechts) als Systemverantwortlicher im DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik vor.  Der Diplom-­­­ Informatiker definiert Versuchsanordnungen und programmiert Verkehrssituationen. Je nach Fahrmanöver ersetzt oder ergänzt er Module im Cockpit des Autos, rüstet neue Bedienelemente ein und passt die Beschleunigungssimulation an. Für die Steuerung des Simulators greift er auf 22 Rechner zu. ?An großen Versuchen nehmen bis zu 70 Probanden teil?, erklärt Timo Krehle. ?Ihre Aktionen werden über CAN-Bus an die Simulationsrechner übermittelt. Das Simulationssystem steuert wiederum die Instrumente im Cockpit und zeigt etwa die aktuelle Geschwindigkeit an.?
Timo Krehle arbeitet an der Mensch-Maschine-Schnittstelle mit Ingenieuren und Psychologen zusammen. Die interdisziplinäre Ausrichtung ist typisch beim DLR. Wer Begeisterung mitbringt und über das eigene Fachgebiet hinaus Visionäres entdecken will, ist hier genau richtig. Rund 6.900 Beschäftigte betreiben an 13 Standorten lebendige Spitzenforschung in Luftfahrt, Raumfahrt, Energie, Verkehr und Sicherheit. Vom Eisenbahnsimulationslabor über Raketenprüfstände und Windkanäle bis zum Forschungsflugzeug verfügt das DLR über eine hervorragende Infrastruktur.
Studierende der MINT-Fächer können schon über Praktika und Abschlussarbeiten einsteigen, Doktoranden profitieren von einem anspruchsvollen Qualifikations­programm.

Die Forschung beschränkt sich beim DLR nicht auf theoretische Grundlagen, sondern ist sehr anwendungsnah, wie eben bei Timo Krehle: Er testet heute Assistenzsysteme zur Fahrzeug-Fahrzeug-Kommunikation, die das Autofahren vielleicht schon morgen sicherer machen.

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