Genozid im ,Geheimen‘

Ein gegebenes Versprechen sollte nicht gebrochen werden. Mitten in den Wirren des ersten Weltkriegs steht der Armenier Michael vor einer schweren Wahl: Seinem Herz oder seinem Versprechen Folge leisten. Doch wie viel Freiheit wird ihm als Armenier zukünftig noch zur Verfügung stehen?

Michael entstammt einer langen Familienlinie von Apothekern und ist in seinem armenischen Heimatdorf als ebensolcher tätig. Doch das ist ihm nicht er genug – er will in Konstantinopel Medizin studieren. Die Studiengebühren bezahlt seine Verlobte mit ihrer Mitgift. Anfangs wähnt er sich in seinem persönlichen Himmel und lernt Land und Leute besser kennen. Unterschlupf findet er bei seinem Onkel, wo er die schöne Ana, ebenfalls Armenierin, kennen und lieben lernt. Die allerdings ist eigentlich mit dem Star-Journalisten Chris Myers verbändelt … Dann kippt die politische Stimmung in der Türkei, sind die Deutschen auf der Suche nach Verbündeten gegen England und die Armenier werden innerhalb der Türkei zum Staatsfeind Nummer 1. Sein Studium wird von der Regierung abgebrochen, stattdessen soll er zum Militärdienst. Bei dem Versuch, seinen Onkel aus dem Gefängnis mittels Bestechung zu befreien, wird er selbst gefangen genommen und ins Straflager zum Eisenbahnbau herangezogen. Von dort kann er fliehen und hat nur eines im Sinn: Seine Familie retten. Die wollen die Grausamkeit der Türken noch nicht wahr haben und lassen sich nicht zur Flucht bewegen. Es wird aber nur noch einige Wochen dauern, bis die Welle der Brutalität ihren Höhepunkt erreicht!

Die Kritik

The Promise ist ganz offiziell ein hochemotionaler Film. Wer sich diesen Film ansieht und trockenen Auges aus dem Kinosaal geht, sollte ganz dringend seine Prioritäten und emotionale Intelligenz überprüfen lassen. Diese Aussage kommt von einer, die bisher nur bei „König der Löwen“ und „Tribute von Panem“ das eine oder andere salzige Tröpfchen hat verschenken müssen.

Beginnen wir mit der historischen Relevanz: Bei all den hochkochenden Gemütern auf jeder politischen Ebene hat der Film geradezu brisantes Timing. Der EU-Beitritt der Türkei wird immer wieder heiß diskutiert – aber sollten Mitglieder der Europäischen Union nicht ihre Vergangenheit aufarbeiten, gerade, wenn es in multikultureller Hinsicht zu Konflikten kam? Wenn man so den Genozid der Türken an den Armeniern überhaupt nennen kann. Offiziell anerkannt ist dieser Völkermord übrigens immer noch nicht, woran der Film im Abspann gesondert erinnert. Wenn das alles nicht gegeben hat – wie wird das Land mit den fast 30 anderen Mitgliedern zurechtkommen? Das ist aber nur ein kleiner Denkanstoß.

Bei der schauspielerischen Besetzung musste erst einmal vorsichtig abgewartet werden, wie sie in dieser Konstellation zusammen wirklen und arbeiten können. Anders gesagt: Werden historische nicht-amerikanische Themen von genau jenen verfilmt, kommt manchmal ganz schöner Pathos-Quark heraus. Nicht so bei THE PROMISE! Natürlich wird ein amerikanischer Journalist immer die Meinung vertreten, er müsse in den USA von dem Mord berichten, damit sein großes, starkes Land in den krieg eintritt und für die Guten kämpft. Natürlich ist er derjenige, der auf einer internatonalen Party das erste Mal ganz offen ausspricht, dass die Armenier als erstes sterben werden, wenn die Türkei ihren Willen mit den Deutschen bekommt (und andersherum). Davon abgesehen gibt es kein klassisches Heldentum, sondern einfach nur extrem harte „Realität“, wie sie sich wirklich htte abspielen können, unschöne Szenen und damit kein „wegschauen“ mehr. Ein Happy End haben sich die Produzenten auch geschenkt und damit alles richtig gemacht – sonst wäre aus einem ersten Thema eine seltsame Liebesgeschichte geworden.

Nun denn, lange Rede, kurzer Sinn: Dieser Kinobesuch ist Pflicht für alle, die sich nicht nur die nächste teils belanglose Comicverfilmung reinziehen möchten.

Bettina Riedel (academicworld.net)

THE PROMISE

Darsteller: Oscar Isaac, Christian Bale, Charlotte Le Bon und mehr

Ab dem 18. August im Verleih von capelight pictures im Kino.

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