10 Leute

Stellen Sie sich vor, Sie würden in drei Monaten heiraten. Vielleicht ist dieses Fest schon Ihr großer Traum, seit dem Sie „Sisi“ das erste Mal im Vorweihnachtsprogramm im Fernsehen sahen. Vielleicht versuchen Sie auch nur, da es nun mal jetzt so beschlossen ist, das Beste daraus zu machen.

Von Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Da Sie kein Geld haben oder zu viel Geld haben und für alle Gäste eine teure, weite Reise bezahlen wollen, ist es Ihnen sehr wichtig, wirklich nur die Ihnen wichtigen Menschen für das Fest einzuladen.

Wen würden Sie zu Ihrer Hochzeit einladen, wenn Sie nur 10 (in Worten: Zehn) Leute einladen dürfen? 

Sofern Sie einen realen Partner haben und mit diesem nicht verheiratet sind oder ihn sogar nochmal heiraten würden, würden sich dessen 10 Personen ja vielleicht mit Ihren 10 im ein- oder anderen Fall überschneiden. Auch wenn Sie ihren Partner (oder sonst einen Partner) niemals heiraten würden: Das ist hier nur ein Gedankenexperiment!

Zur Ergänzung dieser bösen Frage gehört es natürlich, sich eine Erklärung/Ausrede/Entschuldigung zu überlegen, für all die nichteingeladenen anderen Verwandten und Freunde. Darüber hinaus gäbe es natürlich noch eine Nachrückliste, für ca. 2-3 Personen, wenn jemand von den ersten 10 Leuten abspringt. Und vielleicht kommen Sie auch darauf, dass Sie nicht mal 10 Personen kennen, die Sie überhaupt einladen wollten… Sie selbst zählen übrigens nicht mit.

Der Hintergrund dieser Frage speist sich aus der Erfahrung, dass sehr viele Hochzeitspaare schon ein Jahr später die Hälfte Ihrer Gäste nicht mehr einladen würden. Nach 5-10 Jahren bleiben von einer Hochzeitsfeier sogar nur noch 10% der damals eingeladenen Gäste als weiterhin gute Freunde übrig, die man wieder einladen würde. Das liegt aber auch daran, dass wir uns zwischen 25 und 40 Jahren, also in der Lebensspanne, wo die meisten Menschen (das erste Mal) heiraten, noch sehr verändern und mit uns natürlich auch unser Freundeskreis.

Viel Spaß beim Überlegen. Es kann ruhig Tage dauern und es hilft die Liste aufzuschreiben: Schreiben ist (neben dem Aussprechen z.B. in einer „Redekur“, wie Freud seine Therapie zu Beginn seiner Erfindung nannte) ein „Reizschutz“ bzw. Abstraktionsmechanismus unserer Psyche, der unbewusste Gefühle an die Oberfläche bringt, an Worte bindet und dadurch rational verhandelbar macht.

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